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Bad Bunny beim Super Bowl: Tanzparty voller politischer Botschaften

Bad Bunny steht bei der Halftime-Show auf einem Autodach.
Bad Bunny steht bei der Halftime-Show auf einem Autodach. (© AP)

US-Präsident Trump schrieb von "einem Schlag ins Gesicht": Latin-Superstar Bad Bunny hat seine mit Spannung erwartete Halbzeitshow beim Super Bowl mit vielen politischen Botschaften versehen. Und das war nicht das einzig Ungewöhnliche.

Latin-Superstar Bad Bunny hat die Halbzeitpause des Super Bowls in eine riesige Tanzparty verwandelt und das größte Einzelsportereignis des Jahres in den USA für politische Botschaften genutzt.

Der 31-jährige Grammy-Preisträger aus Puerto Rico ließ während des Finales der nordamerikanischen Footballliga NFL zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots im kalifornischen Santa Clara Fahnenträger auftreten, die neben der Flagge der USA auch die Flaggen vieler anderer nord- und südamerikanischen Länder präsentierten. Das Team aus Seattle gewann 29:13.

Leinwand mit klarer Botschaft

Außerdem hielt Bad Bunny, ein ausgesprochener Kritiker der radikalen Abschiebepolitik der US-Regierung, einen Football mit der Aufschrift "Gemeinsam sind wir Amerika" in die Kamera, sagte "Gott segne Amerika" und zählte neben den USA zahlreiche lateinamerikanische Länder auf.

Im Hintergrund leuchtete auf einer Leinwand der Schriftzug: "Das Einzige, was mächtiger ist als Hass, ist Liebe." Bei dem Auftritt sang er auch eines der politischen Lieder seines aktuellen Albums: "Lo que pasó con Hawaii" (deutsch: "Was mit Hawaii geschehen ist"). Darin kritisiert er die kulturelle Übernahme von Hawaii durch die USA, das 1898 gleichzeitig mit Puerto Rico unter die Herrschaft der Vereinigten Staaten geriet.

Auf der Bühne wurden Szenen aus dem Alltag Puerto Ricos nachgestellt: traditionelle Haus- und Ladenfassaden, mobile Essensstände, Verkäufer mit Getränken und Speisen, Zuckerrohrplantagen.

Trump schimpft über Halbzeitshow

Präsident Donald Trump, der dem Super Bowl fernblieb, bezeichnete den Auftritt direkt im Anschluss auf der Plattform Truth Social als "Schlag ins Gesicht" für die USA und als eine der schlechtesten Halbzeitshows, die er jemals gesehen habe.

Zu Trumps Unmut trug offenkundig bei, dass der gesamte Auftritt von Bad Bunny auf Spanisch gehalten war - ein Novum. Man verstehe kein Wort, monierte Trump - nachdem er die Wahl des Hauptacts für das Spektakel bereits vorab als "schrecklich" bezeichnet hatte.

Keine Berichte über ICE-Einsätze

Bad Bunny hatte im Vorfeld betont, sein Auftritt sei "für mein Volk, meine Kultur und unsere Geschichte". Er gilt mit seiner Musik als Brückenbauer zwischen Lateinamerika und den Millionen in den USA lebenden Latinos.

Aus Protest gegen die rabiaten Einsätze der US-Einwanderungsbehörde ICE hatte er zuletzt auch auf Konzerte in den USA verzichtet. In seiner Dankesrede bei den Grammys kritisierte er die Einsätze und widmete seine Auszeichnung all jenen Menschen, "die ihre Heimat verlassen mussten, um ihren Träumen zu folgen".

Vor dem Super Bowl gab es Befürchtungen, dass ICE auch rund um das Stadion im Einsatz sein könnte. Darüber gibt es aber bisher keine Berichte.

Als die NFL Bad Bunny im Herbst 2025 offiziell als Headliner ankündigte, löste das hitzige Debatten aus. Konservative Politiker und Trump-nahe Gruppen kritisierten die Haltung des Superstars als "anti-amerikanisch".

Viele Stars im Publikum

Im Publikum waren Promis wie Pedro Pascal, Karol G und Cardi B tanzend zu sehen. Andere Stars wie Justin Bieber, Travis Scott, Jon Bon Jovi, Adam Sandler, Jay-Z und seine Tochter Blue Ivy waren ebenfalls für das Finale der National Football League ins Stadion gekommen.

Für einen Überraschungsmoment sorgte der Gastauftritt von Lady Gaga, die schon 2017 als Hauptact der Halbzeitshow auf der Bühne gestanden hatte. Die Popsängerin präsentierte eine Salsa-Version ihres Songs "Die With a Smile" und tanzte gemeinsam mit Bad Bunny. Auch der ebenfalls aus Puerto Rico stammende Pop-Sänger Ricky Martin hatte einen kurzen Gastauftritt.

Meistgehörter Künstler des Planeten

Bad Bunny, bürgerlich Benito Antonio Martínez Ocasio, dominiert seit Jahren die internationalen Charts. Musikalisch steht er für eine Mischung aus Reggaeton angereichert mit puerto-ricanischer Folkmusik, afrokaribischen Einflüssen und Salsa.

Bei den Grammy Awards am vergangenen Wochenende bekam er für "DeBÍ TiRAR MáS FOToS" (deutsch: "Ich hätte mehr Fotos machen sollen") die Trophäe für das Album des Jahres und gewann insgesamt drei Grammys. Zuletzt galt er als meistgehörter Künstler des Jahres beim Streamingdienst Spotify.

Mega-Event mit langer Geschichte

Der Auftritt beim Super Bowl gilt als größte Showbühne des Jahres. Mit mehr als 100 Millionen Zuschauern allein in den USA sind die kurzen, oft bombastischen Halbzeitshows häufig populärer als das eigentliche Spiel und längst zu einem eigenen Kulturphänomen geworden.

In der Vergangenheit traten dort bereits Superstars wie Michael Jackson, Beyoncé und Prince auf. Jacksons Auftritt 1993 markierte den Wandel von traditionellen Marschkapellen hin zu hochkarätigen Pop-Performances.

New England völlig überfordert: Seahawks feiern Super-Bowl-Triumph gegen Patriots

Seattle Seahawks feiern Super Bowl Sieg
Seattle Seahawks feiern Super Bowl Sieg (© IMAGO/kolbert-press)

Die Seattle Seahawks mit Quarterback Sam Darnold haben beim Super Bowl XL die New England Patriots in Grund und Boden gespielt. Beim Champion feierte Kicker Jason Myers eine historische Nacht: Zum 29:13 im Stadion von Santa Clara in Kalifornien trug er gleich fünf Field Goals bei - das gab es noch nie.

Das Duell zwischen dem NFC Champion und dem AFC Champion, also den beiden besten Teams der regulären Saison in der US-Football-Liga NFL, war von Beginn an ein Fest für Fans brillanter Abwehrarbeit. Auf beiden Seiten überragten zunächst die Defensivreihen, ließen wenig Raum für spektakuläre lange Pässe oder tiefe Läufe. Was die Offensive der Patriots anbelangte, war die erste Halbzeit sogar eine historische Enttäuschung: Ganze 48 Yards bekam das Team um Drake Maye in zwei Vierteln zustande, das war der drittschlechteste Wert im 60. Super Bowl. Immer wieder wirkte der junge Quarterback von New England in den entscheidenden Versuchen überfordert, hatte wenig Zutrauen in seine überragenden Fähigkeiten, bekam aber auch von seiner O-Line permanent viel zu wenig Zeit, um glänzen zu können.

Auf der anderen Seite spielte der in seiner Karriere immer wieder durch Enttäuschungen gestählte Sam Darnold vor allem unter Druck sehr stabil. Das einzige Manko: In den dritten Versuchen in Nähe der Patriots-Endzone verpasste er die Big Points, entweder seine Pässe kamen nicht an oder New England stoppte das Laufspiel. Die Folge: Trotz der drückenden Überlegenheit gelang den Seahawks kein Touchdown, es reichte dreimal nur zum Field Goal durch Kicker Jason Myers.

Myers verwandelt auch sein viertes Field Goal

Nach der vor allem vom Bühnenbild her herausragenden Halftime-Show von Superstar Benito Antonio Martínez Ocasio, besser bekannt als Bad Bunny, begann auch das dritte Viertel wie eine Kopie der ersten Hälfte. Darnold trieb sein Team schnell und präzise über das Feld, doch im entscheidenden Drive reichte es wieder nicht zum Touchdown. Myers durfte zum vierten Field Gold antreten und hatte ein bisschen Glück, dass sein Versuch aus 41 Yards knapp innerhalb der Stangen landete: 12:0 - New England wartete immer noch auf die ersten Punkte.

Auf der anderen Seite wurde Maye direkt anschließend wieder sehr schnell gestoppt, danach sah man an der Seitenlinie, dass er schon sehr viel Trost und Zuspruch von seinen Kollegen brauchte. Seine Horror-Statistik 3:45 Minuten vor Ende des dritten Viertels: Nur zwei von zehn dritten Versuchen hatte er erfolgreich gestaltet. Achtmal musste sein Team also zum Punt greifen, um das Spielgerät möglichst weit in die gegnerische Hälfte zurückzubefördern, statt auch mal für ein eigenes Erfolgserlebnis sorgen zu können.

Auch bei Darnold war deutlich mehr drin

Seattle hätte diese komplette Rat- und Hilflosigkeit der Patriots allerdings noch deutlich härter bestrafen können. Auch Darnold leistete sich viele schwache Anspiele, vor allem die Pässe auf Routinier Cooper Kupp kamen immer wieder in den Rücken. Kurz vor Ende des dritten Durchgangs lag die Erfolgsquote des Quarterback der Seahwaks auch nur bei 13 von 29 - war damit aber immer noch um Längen besser als bei Totalausfall Maye.

Zehn Sekunden vor Ende des dritten Viertels setzte es dann die nächste und bereits vorentscheidende Ohrfeige für New England. Wieder leistete sich die O-Line der Patriots einen kollektiven Blackout. Die Seahwaks kamen mit vier Mann durch und Maye musste bereits den fünften (!) Sack im Verlauf dieses Endspiels schlucken - diesmal verlor er dabei sogar den Ball.

Erster Touchdown im vierten Viertel

Den daraus folgenden Ballbesitz nutzte Seattle zum endgültigen Knockout. Bei einem schwierigen dritten Versuch fand Darnold einmal mehr Kupp, der in Abwesenheit des zwischenzeitlich verletzt fehlenden Top-Receivers Jaxon Smith-Njigba plötzlich immer wichtiger wurde. Anschließend war dann auch endlich der erste Touchdown des Abends fällig: 1:36 Minuten waren im letzten Viertel gespielt, als Darnold mit einem guten Pass auf die rechte Seite der Endzone Albert Javonte "AJ" Barner erreichte: Mit dem Extrapunkt von Myers stand es damit 19:0.

Maye plötzlich mit genialen Pässen - dann wird es wild

Die Patriots waren damit im Prinzip aus dem Rennen, sie hätten die Magie eines Tom Brady gebraucht, um das nun benötigte Comeback hinzulegen. Einen kleinen Ansatz lieferte dann aber tatsächlich der indirekte Nachfolger des "GOAT": Unter größtem Druck feuerte der Youngster plötzlich zwei Hammer-Pässe ab, die beide bei Mack Hollins landeten - der zweite kam tatsächlich in der Endzone an: 7:19, und noch waren rund zwölf Minuten zu spielen.

Anschließend erhöhte Maye das Risiko. Einmal erlief er mutig selbst das First Down, zwei weitere Versuche aber wirkten schon beinahe wie Hail-Mary-Pässe - allerdings mehr von Verzweiflung als von Hoffnung getragen. Der zweite dieser beiden wilden Anspiele war dann auch das Ende des Liedes: Interception, Ballbesitzwechsel zu den Seahawks, die in Person von Myers mit seinem fünften Field Goal dieser Partie auf 22:7 erhöhte - damit stellte er einen alleinigen Kicker-Rekord auf.

Noch zwei Touchdowns und Walker wird "MVP"

Danach ging es nur noch um Ergebniskosmetik, die ersten Fans der Patriots verließen bereits fluchtartig das Stadion. Sie verpassten einen weiteren Seahawks-Touchdown durch Uchenna Nwosu, anschließend konterten nochmal die Patriots durch Rhamondre Stevenson - 29:13 hieß es am Ende, als Seattles Coach Mike Macdonald die obligatorische Gatorade-Dusche abbekam. Der überragende Running Back Kenneth Walker hätte kurz vor dem Ende beinahe auch noch einen Touchdown gefeiert. Der Lohn für seine Top-Vorstellung - für die er auch als "MVP" ausgezeichnet wurde - scheiterte aber an einer Strafe gegen einen Teamkollegen.

Sam Darnold erklärte bei der Siegerehrung anschließend, wie es nach all den Rückschlägen in seiner Karriere zu diesem Triumph kommen konnte: "Unser Mindset war es, immer zusammenzuhalten, nie aufzugeben und in jedem Training alles zu investieren. Wir hatten eine absolut überragende Defensive, bei der müssen wir uns heute besonders bedanken."

Beschäftigung von Angehörigen: AfD-Chef Chrupalla räumt "Geschmäckle" ein

Caren Miosga und Tino Chrupalla
Caren Miosga und Tino Chrupalla (© picture alliance / HMB Media)

Das Ganze habe "ein Geschmäckle", so Chrupalla. Er verwies aber darauf, dass es sich um Verträge handle, die rechtskräftig und nicht zu beanstanden seien, und betonte, dass auch andere Parteien Angehörige beschäftigten.

Spitzenkandidat verteidigt Anstellung

Der AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, erklärte dazu, er halte es für logisch, vertrauenswürdige Personen zu beschäftigen, solange rechtsstaatliche Kriterien eingehalten würden. Auch Siegmunds Vater wird in den Berichten erwähnt.

Chrupalla sieht keine Bedrohung durch Russland

"Ich hoffe, dass der Bundeskanzler endlich diesen Dialog wieder beginnt, damit wir mit Russland ins Gespräch kommen. Man brauche wieder einen Bereich der Deeskalation, sagte der AfD-Chef.

Kritisch äußerte sich Chrupalla zu innerparteilichen Vorschlägen nach einer spezialisierten Asyl- und Abschiebeeinheit, orientiert am US-amerikanischen ICE. "Ich sehe das kritisch. Wir müssen eigene Behörden stärken", so Chrupalla. "Wir wollen, dass alle illegalen Migranten abgeschoben werden und zwar schnell, wir brauchen mehr Beamte."

Kurz nach Haftentlassung: Venezolanischer Oppositioneller Guanipa festgesetzt

Juan Pablo Guanipa in einer Traube von Menschen
Juan Pablo Guanipa in einer Traube von Menschen (© Jesus Vargas/dpa)

Er war gerade aus der Haft entlassen worden, da wurde der venezolanische Oppositionelle Guanipa bereits wieder festgesetzt. Die Staatsanwaltschaft spricht von einer Festnahme, die Opposition von Entführung.

Kurz nach seiner Freilassung aus einem Gefängnis ist der venezolanische Oppositionelle Juan Pablo Guanipa erneut festgesetzt worden. Zu den Umständen gibt es unterschiedliche Angaben. Guanipas Vertraute, die Oppositionelle und Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado, erklärte auf X, Männer in Zivil hätten ihn in der Hauptstadt Caracas entführt. Die Kidnapper seien in vier Fahrzeugen vorgefahren.

Auch Guanipas Sohn Ramón schrieb auf X, sein Vater sei von einer Gruppe von "etwa zehn nicht identifizierten Personen" gefangen genommen worden. Und auch Guanipas Partei erklärte, ihr "nationaler Anführer" sei "von repressiven Organen der Diktatur entführt" worden.

Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Guanipa sei erneut festgenommen worden, weil er die Auflagen für seine Haftentlassung nicht eingehalten habe, erklärte sie. Er solle nun unter Hausarrest gestellt werden.

Guanipa soll terroristisches Komplott geplant haben

Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez hatte - auf Druck der USA - im Januar die Freilassung politischer Gefangener verkündet. Vergangene Woche gab sie eine Massenamnestie für Häftlinge bekannt, die wegen "politischer Gewalt" einsitzen. Laut der Nichtregierungsorganisation Foro Penal sind das noch mehr als 700 Personen im Land.

Guanipa war im Mai 2025 festgenommen worden. Die Behörden hatten ihm die Planung eines terroristischen Komplotts vorgeworfen. Sein politisches Umfeld wies das zurück.

Guanipa: Regierung soll Ergebnis der Präsidentenwahl respektieren

Kurz nach seiner Haftentlassung hatte Guanipa gegenüber der Nachrichtenagentur AFP die Regierung aufgerufen, das Ergebnis der Präsidentenwahl von 2024 zu respektieren. Von den Behörden wurde damals Amtsinhaber Nicolás Maduro zum Sieger erklärt - die Opposition sprach von Wahlbetrug.

In der Folge gab es Proteste, bei denen mindestens 28 Menschen ums Leben kamen und mehr als 2.400 Menschen festgenommen wurden. Maduro wurde Anfang des Jahres von den USA gefangen genommen. Rodríguez übernahm vorerst das Präsidentenamt.

Zweidrittelmehrheit: Historischer Wahlsieg für Japans Regierungspartei

Japans Premierministerin Sanae Takaichi, legt neben LDP-Generalsekretär Shunichi Suzuki und LDP-Wahlkampfstrategiechef Keiji Furuya am Tag der Parlamentswahl im LDP-Hauptquartier in Tokio eine rote Papierrose auf den Namen eines gewählten Kandidaten.
Japans Premierministerin Sanae Takaichi, legt neben LDP-Generalsekretär Shunichi Suzuki und LDP-Wahlkampfstrategiechef Keiji Furuya am Tag der Parlamentswahl im LDP-Hauptquartier in Tokio eine rote Papierrose auf den Namen eines gewählten Kandidaten. (© EPA)

In Japan hat die Regierungspartei LDP den größten Wahlsieg ihrer Geschichte errungen. Als erste Partei seit dem Zweiten Weltkrieg gewann sie bei der vorgezogenen Parlamentswahl mehr als zwei Drittel der Sitze.

Japans Regierungspartei hat unter Führung der nationalkonservativen Premierministerin Sanae Takaichi den größten Wahlsieg ihrer Geschichte errungen. Die Liberaldemokratische Partei (LDP) gewann bei der Wahl zum Unterhaus allein mehr als zwei Drittel der 465 Sitze in der mächtigen Parlamentskammer.

Der überragende Sieg verschafft der rechtsgerichteten Regierungschefin enorme Macht. Als erste Frau an der Spitze der Regierung ist Takaichi erst seit Ende Oktober im Amt. Die LDP baute ihre Sitzzahl im Unterhaus von zuvor 198 auf 316 Mandate aus und überschritt damit als erste Partei im Nachkriegsjapan die Zweidrittelmehrheit. So kann sie nun Verfassungsänderungen vorantreiben und Gesetze verabschieden, selbst wenn diese vom Oberhaus abgelehnt werden.

In der zweiten Kammer des nationalen Parlaments ist die Regierungskoalition der LDP und ihres neoliberalen Juniorpartners Ishin weiterhin in der Minderheit.

Takaichi will engere Beziehungen zu den USA

Die seit ihrer Gründung 1955 fast ununterbrochen regierende LDP hatte wegen eines Parteispendenskandals sowie der Unzufriedenheit über steigende Preise und Einwanderungspolitik bei den vorherigen Wahlen die Mehrheit in beiden Häusern verloren. Gestützt von Ishin regierte sie zuletzt nur mit einer dünnen Mehrheit. Ihren jetzt überragenden Wahlsieg hat die LDP Takaichis enormer Popularität zu verdanken.

Die von Takaichi angestrebte Revision des Pazifismusartikels 9 der seit 1947 unveränderten Verfassung, der Japan sicherheitspolitische Schranken auferlegt, wird nun realistischer. In dem Artikel verzichtet Japan "für alle Zeiten auf den Krieg als ein souveränes Recht der Nation und auf die Androhung oder Ausübung von Gewalt als Mittel zur Beilegung internationaler Streitigkeiten".

Als sicherheitspolitische Hardlinerin befürwortet Takaichi engere Beziehungen zur Schutzmacht USA. US-Präsident Donald Trump gratulierte ihr auf seiner Plattform Truth Social überschwänglich. "Herzlichen Glückwunsch an Premierministerin Sanae Takaichi und ihre Koalition zum ERDRUTSCHSIEG", schrieb Trump.

Takaichi will Japans Militär kräftig aufrüsten, um in Asien ein Gegengewicht zum Machtstreben Chinas zu schaffen. Bereits kurz nach ihrem Amtsantritt war sie mit der Führung in Peking aneinandergeraten, als sie sagte, ein Angriff Chinas auf Taiwan würde eine "existenzbedrohende Situation" für Japan darstellen, was zu einer militärischen Reaktion führen könne.

Harte Haltung gegenüber China

China reagierte mit scharfer Kritik, gestrichenen Flugverbindungen und einem Importverbot für japanische Meeresfrüchte. Anstatt ihre Wahlchancen zu schmälern, steigerte ihre harte Haltung Takaichis Popularität aber eher noch.

Im Wahlkampf hatte Takaichis Partei vor allem "das Ausländerproblem" in den Mittelpunkt gestellt. Ausländer hielten sich nicht an die Regeln, das Volk fühle sich unwohl und unsicher, dies werde man "frontal" angehen, versprach die LDP.

Mit dem Thema gelang es der Partei offenbar, konservative Wähler zurückzugewinnen, die sich der rechtsextremen und offen ausländerfeindlichen Kleinpartei Sanseito zugewandt hatten. Die Sanseito vervielfachte ihre Mandate am Ende zwar von zwei auf 15, kann Takachis Partei aber nicht gefährlich werden.

Oppositionsbündnis erleidet schwere Verluste

Mit der kurzfristig einberufenen Neuwahl hatte Takaichi die Opposition kalt erwischt. Die stärkste Oppositionskraft, die Konstitutionelle Demokratische Partei, und der langjährige LDP-Partner Komeito schlossen sich hektisch zur Zentristischen Reformallianz zusammen. Die neue Partei versteht sich als liberale Alternative zur rechten Takaichi.

Das Kalkül der Regierungschefin ging jedoch auf: Das neue Oppositionsbündnis erlitt schwere Verluste, die Zahl der Mandate schrumpfte von zusammengerechnet 167 Sitzen vor der Wahl auf nur noch 49 Sitze.

Mit einer Senkung der Benzinsteuer sowie Zusagen, das Nettoeinkommen vor allem junger Familien mit niedrigeren Einkommen durch Steueränderungen zu erhöhen, wandte sich Takaichi im Wahlkampf gezielt an die Jüngeren. Nach ihrem historischen Sieg sagte die Regierungschefin dann: "Wir tragen eine außerordentlich große Verantwortung, uns darauf zu konzentrieren, die von uns gemachten Wahlversprechen konsequent umzusetzen."

Besetztes Palästinensergebiet: Israel will Kontrolle über Westjordanland ausweiten

Gebiet in der Nähe von Maale Adumim, einer israelischen Siedlung im Westjordanland (Archivbild)
Gebiet in der Nähe von Maale Adumim, einer israelischen Siedlung im Westjordanland (Archivbild) (© dpa)

Jüdischen Siedlern soll erstmals der Landkauf im von Israel besetzten Westjordanland gestattet werden. Das Sicherheitskabinett billigte entsprechende Maßnahmen. Palästinenserpräsident Abbas spricht von einer "gefährlichen" Entscheidung.

Das israelische Sicherheitskabinett will mit einem neuen Maßnahmenpaket die Kontrolle über das besetzte Westjordanland ausweiten. Es billigte die Aufhebung eines Verbots des Landverkaufs an jüdische Siedler. Zudem sollen Grundbucheinträge im Westjordanland freigegeben werden, um Landkäufe zu erleichtern. Die Bauplanung für religiöse und andere sensible Orte in der Stadt Hebron soll israelischen Behörden übertragen werden.

Israel soll außerdem die Erlaubnis bekommen, umweltrechtliche und archäologische Vorschriften auch in palästinensisch verwalteten Gebieten durchzusetzen. Zudem soll ein Ausschuss wiederbelebt werden, der es dem Staat Israel ermöglichen würde, in dem Gebiet "proaktiv" Land zu erwerben. Die Beschlüsse wurden vom Büro des rechtsextremen israelischen Finanzministers Bezalel Smotrich bekannt gegeben.

Jordanien verurteilt Beschlüsse

Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas nannte die Entscheidung in einer Erklärung "gefährlich". Es handele sich um einen "offenen israelischen Versuch, die Ausweitung der Siedlungen und die Beschlagnahmung von Land zu legalisieren". Abbas forderte die USA und den UN-Sicherheitsrat zu einem sofortigen Eingreifen auf.

Auch das jordanische Außenministerium verurteilte die israelischen Beschlüsse. Diese zielten darauf ab, eine "illegale israelische Souveränität durchzusetzen" und den Siedlungsbau zu verfestigen. Die Terrormiliz Hamas rief Palästinenser im Westjordanland dazu auf, "die Konfrontation mit der Besatzung und ihren Siedlern zu intensivieren".

Portugal: Sozialist Seguro gewinnt Präsidentenwahl

Antonio Jose Seguro
Antonio Jose Seguro (© EPA)

In Portugal hat der gemäßigte Sozialist Seguro die Präsidentenwahl gewonnen. In der Stichwahl entfielen 66,7 Prozent der Stimmen auf den 63-Jährigen. Der Rechtspopulist Ventura kam auf 33,3 Prozent.

In der Stichwahl um das portugiesische Präsidentenamt hat sich der sozialdemokratisch orientierte Politiker António José Seguro Hochrechnungen zufolge klar durchgesetzt. Für den 63-jährigen Politiker der sozialistischen Partei (PS) entfielen 66,7 Prozent der Stimmen, Ventura kam auf 33,3 Prozent, wie die Wahlkommission nach Auszählung fast aller Stimmen am Sonntagabend bekanntgab.

In einer ersten Reaktion lobte Wahlsieger Seguro die Menschen seines Landes. "Das portugiesische Volk ist das beste Volk der Welt. Ausgezeichnet. Mit einem enormen staatsbürgerlichen Verantwortungsbewusstsein und einer Verbundenheit mit den Werten unserer Demokratie", sagte er vor Journalisten im Fernsehen. Der konservative Regierungschef Luís Montenegro gratulierte Seguro zum Wahlsieg und zeigte sich zuversichtlich, dass er mit dem nächsten Präsidenten gut zusammenarbeiten werde.

Rasanter Aufstieg der Rechtspopulisten

Seguros Herausforderer, der Rechtspopulist Andre Ventura, kam den Angaben zufolge auf 33,4 Prozent. Schon vor der ersten Wahlrunde hatten 60 Prozent der Befragten gesagt, dass sie auf keinen Fall für den polarisierenden Politiker mit seiner gegen Immigranten gerichteten Agenda stimmen würden.

Dass der 43-Jährige rund ein Drittel der Wähler auf sich vereinigen konnte, gilt aber als weiteres Zeichen für den rasanten Aufstieg der Rechtspopulisten. Nur sechs Jahre nach ihrer Gründung war Venturas Partei Chega (Es reicht) im Mai vorigen Jahres bereits zur zweitstärksten Kraft im Parlament in Lissabon avanciert.

Die Wahl verlief trotz der Probleme durch die heftigen Winterstürme weitgehend störungsfrei. Nur in drei Gemeinden mit insgesamt 37.000 Wahlberechtigten wurde die Wahl wegen der Sturmfolgen um eine Woche auf den 15. Februar verschoben.

Seguro war bei der ersten Wahlrunde am 18. Januar auf rund 31 Prozent der Stimmen gekommen. Von 2011 bis 214 war er Generalsekretär der Sozialistischen Partei (PS), dessen gemäßigten Flügel er vertritt. Ventura erreichte bei der ersten Wahlrunde 23,5 Prozent.

Seit 1986 war in Portugal keine Stichwahl zur Wahl des Staatsoberhauptes mehr nötig gewesen. Der Präsident hat in Portugal keine exekutiven Befugnisse, kann aber in Krisenzeiten das Parlament auflösen, Neuwahlen ausrufen oder den Ministerpräsidenten entlassen.

Urteil in Hongkong: 20 Jahre Haft für Demokratieaktivisten Lai

Jimmy Lai (Archivbild vom 1.6.2020)
Jimmy Lai (Archivbild vom 1.6.2020) (© AP)

Der Hongkonger Medienunternehmer und Demokratieaktivist Jimmy Lai muss für 20 Jahre ins Gefängnis. Ein Gericht hatte den 78-Jährigen wegen "Kollaboration mit ausländischen Kräften" und des "Aufruhrs" schuldig gesprochen.

Es ist ein weiterer Rückschlag für die Pressefreiheit in Hongkong: Ein Gericht in der chinesischen Sonderverwaltungszone hat den Demokratieaktivisten und Verleger Jimmy Lai zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt. Lai habe zwei Jahre bereits abgesessen und werde 18 weitere Jahre verbüßen müssen, urteilten die Richter.

Lai war im Dezember vergangenen Jahres der "Kollaboration mit ausländischen Kräften" und des "Aufruhrs" für schuldig befunden worden. Die Staatsanwaltschaft warf Lai vor, der Drahtzieher hinter zwei mutmaßlichen Verschwörungen gewesen zu sein. Dabei seien ausländische Mächte aufgerufen worden, Maßnahmen gegen Hongkong oder China zu ergreifen.

Der Verleger besitzt auch einen britischen Pass und ist Gründer der prodemokratischen Hongkonger Zeitung Apple Daily. Das Blatt wurde 2021 zwangsweise eingestellt, nachdem die Behörden der früheren britischen Kronkolonie wegen mutmaßlicher Verstöße gegen das nationale "Sicherheitsgesetz" ermittelt hatten.

Scharfe Kritik von Menschenrechtsorganisationen

Menschenrechtsorganisationen verurteilten die langjährige Haftstrafe. Es sei "praktisch eine Todesstrafe", erklärte die Leiterin der Asien-Abteilung von Human Rights Watch, Elaine Pearson. "Eine Strafe dieser Größenordnung ist sowohl grausam als auch zutiefst ungerecht", fügte sie hinzu. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International bezeichnete den Fall als "einen weiteren düsteren Meilenstein in Hongkongs Wandel von einer Stadt, die durch Rechtsstaatlichkeit regiert wird, zu einer Stadt, die durch Angst regiert wird".

Auch Lais Familie äußerte sich. "Meinen Vater zu dieser drakonischen Haftstrafe zu verurteilen, ist verheerend für unsere Familie und lebensbedrohlich für meinen Vater", erklärte Lais Sohn Sebastien. Lais Tochter Claire sprach angesichts des sich verschlechternden Gesundheitszustands ihres Vaters von einer "herzzerreißend grausamen Strafe". Sollte sie vollstreckt werden, "wird er als Märtyrer hinter Gittern sterben". Lai sitzt seit 2021 im Gefängnis, nachdem ihn die Justiz zuvor bereits in anderen Verfahren zu zwei Haftstrafen verurteilt hatte.

USA und Großbritannien hatten Freilassung gefordert

Die britische Regierung sowie US-Präsident Donald Trump hatten die Freilassung Lais gefordert. Seine Unterstützer äußerten zuletzt auch Besorgnis über seinen Gesundheitszustand. Seine Tochter Claire sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, ihr an Diabetes erkrankter Vater habe "erheblich an Gewicht verloren". Zudem wiesen seine Zähne und Nägel Zeichen von Verfall auf.

Lai ist einer der bekanntesten Aktivisten der Hongkonger Demokratiebewegung, die von den Behörden mit massivem Druck inzwischen de facto zum Erliegen gebracht worden ist. Das Urteil gegen ihn stützt sich auf das 2020 nach den Massenprotesten in Hongkong von der Regierung in Peking durchgesetzte "Sicherheitsgesetz".

Das "Sicherheitsgesetz" in Hongkong richtet sich gegen die prodemokratische Opposition sowie gegen Aktivitäten, die Pekings autoritäre Führung als umstürzlerisch, separatistisch, terroristisch oder verschwörerisch einstuft. Es trat 2020 als Reaktion auf große Demonstrationen für mehr Demokratie in Kraft. International ist das Gesetz, das Freiheitsrechte in der chinesischen Sonderverwaltungsregion einschränkt, sehr umstritten.

Klingbeil im Bericht aus Berlin: Gegen Sozialkürzungen und für Gesundheitsabgabe

Lars klingbeil
Lars klingbeil (© ARD-aktuell)

Auf ihrer Vorstandsklausur am Wochenende hat die SPD die Basis für ein neues Grundsatzprogramm gelegt. Dafür müssten auch Gewissheiten in Frage gestellt werden, hatte der SPD-Vorsitzende Lars Klingbeil in seiner Grundsatzrede am Samstag erklärt.

Rückbesinnung auf die Arbeiterschaft

"Wir müssen jetzt stärker in den Mittelpunkt wieder rücken, dass wir die Partei der Arbeit sind, dass wir uns um Menschen kümmern, die in Arbeitsverhältnissen sind, die aber Sorge haben, dass ihre Arbeit vielleicht bei all den Umbrüchen, die wir in der Welt erleben, verloren geht", so Klingbeil weiter. In dieser Hinsicht sei der SPD in den vergangenen Jahren das Profil verlorengegangen.

Dazu gehöre auch, dass man von dieser Arbeit gut leben kann. Vorwürfe der Union, die Deutschen würden nicht genug arbeiten, wies er erneut zurück. Dies sei der "völlig falsche Weg": "Immer so zu tun, als ob der Abbau von Sozialstaat und der Abbau von Arbeitnehmerrechten dazu führt, dass wir wirtschaftlich stärker werden - das teile ich überhaupt nicht."

Strukturreformen bei sozialen Sicherungssystemen

Die wichtigste Voraussetzung, um das Land voranzubringen, sei Wirtschaftswachstum, meint Klingbeil: "Wir brauchen endlich wieder Wachstum nach vier Jahren. Und das eine Prozent, das wir jetzt gerade in den Prognosen haben, das reicht mir nicht. Und dafür müssen wir uns mehr anstrengen." Zudem müssten die sozialen Sicherungssysteme neu aufgestellt werden, mit Strukturreformen, aber nicht "auf dem Rücken der Beschäftigten und der fleißigen Menschen in diesem Land."

Dafür müsse man " hart daran arbeiten, dass unser Sozialstaat effektiver wird, dass die Leistungen viel genauer bei den Menschen ankommen", forderte Klingbeil. Dabei müssten auch Einkommen aus Kapital einen stärkeren Beitrag leisten. Trotzdem müsse auch der Haushalt konsolidiert und weiter gespart werden - zum Beispiel bei Subventionen.

Weitere Einkommen bei Gesundheitskosten mit einbeziehen

Beim Gesundheits- und Pflegesystem begrüße er den Vorschlag, darüber Kapitaleinkünfte stärker einzubeziehen, erklärte Klingbeil: "Ich habe persönlich die Überzeugung, dass wir daran arbeiten müssen, dass alle Menschen, die viel Geld haben und die hohe Vermögen haben in diesem Land - dass die mehr dazu beitragen müssen, dass es gerechter zugeht, dass sie auch Verantwortung übernehmen." In der Beschlussvorlage der SPD zu einer Reform des Sozialstaats wird dieser Vorschlag genannt.

Mit der Einbeziehung von Kapitaleinkünften oder Mieteinnahmen würde der Kreis der Beitragszahler ausgedehnt. Bislang werden Dividenden oder Mieten nur bei freiwilligen Mitgliedern in der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) berücksichtigt und auch hier nur bis zur so genannten Beitragsbemessungsgrenze. "Das ist ein Diskussionsangebot, das wir haben", so Klingbeil. "Wir finden das richtig, dass man das macht."

Linnemann spricht von "Teilzeit-Falle"

CDU-Generalsekretär Carsten Linnemann wiederum betonte, dass die Reformen zur Stärkung des Wirtschaftsstandorts als Gesamtpaket kommen müssten, um Belastungen nicht einseitig zu verteilen. Dieses Paket müsse die Bereiche Pflege, Gesundheit, Rente, Arbeit und Steuern umfassen.

Zugleich wehrte er sich dagegen, die jüngsten und umstrittenen Vorstöße aus seiner Partei - etwa zum Thema Teilzeit - als Vorwurf zu verstehen, das Gegenteil sei der Fall. "Die Menschen wollen zum Teil mehr arbeiten, aber die Rahmenbedingungen sind nicht so, dass sich das lohnt." Linnemann sprach von einer "Teilzeit-Falle", in der viele feststeckten. Es brauche mehr Netto vom Brutto, auch seien die Gesundheitskosten zu hoch.

Die Koalition müsse nun beweisen, dass sie die Lohnnebenkosten senken könne. "Beispielsweise würde ich radikal alle beitragsfremden Leistungen bei der GKV rausnehmen", so Linnemann. Es gehe nicht, dass Versicherte für Grundsicherungsempfänger eine zweistellige Milliardenzahl im Jahr bezahlten.

Mit Blick auf den SPD-Vorstoß zu den Gesundheitskosten betonte er Gesprächsbereitschaft, zeigte sich selbst aber skeptisch: "Wenn Sie mich persönlich fragen, würde ich jetzt ausgerechnet nicht die kleinen und mittleren Sparer angreifen." Man werde aber über die Reformvorschläge diskutieren.

Iranische Friedensnobelpreisträgerin: Weiteres Urteil gegen Mohammadi

Narges Mohammadi (Archivbild: undatiert)
Narges Mohammadi (Archivbild: undatiert) (© via REUTERS)

Die iranische Friedensnobelpreisträgerin Mohammadi ist erneut zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Nach Angaben ihres Anwalts ging es um Vorwürfe der Verschwörung. Mohammadi ist gesundheitlich schwer angeschlagen.

Die iranische Aktivistin und Friedensnobelpreisträgerin Narges Mohammadi ist zu einer weiteren Haftstrafe von siebeneinhalb Jahren verurteilt worden. Das Gericht habe sie wegen "Versammlung und Absprache zur Begehung von Straftaten" zu sechs Jahren Haft verurteilt, teilte der Anwalt Mostafa Nili mit. Es habe außerdem ein zweijähriges Ausreiseverbot gegen Mohammadi verhängt und sie für zwei Jahre in die Stadt Chosf in der ostiranischen Provinz Süd-Chorasan verbannt.

Mohammadi wurde nach Angaben ihres Anwalts außerdem zu einer eineinhalbjährigen Haftstrafe wegen Propaganda-Tätigkeiten verurteilt. Nach iranischem Recht werden mehrere Einzelstrafen allerdings nicht zu einer Gesamtstrafe addiert, sondern es wird nur die längste Strafe vollstreckt. Das Urteil ist zudem noch nicht rechtskräftig und kann noch angefochten werden.

Hoffnung auf Freilassung aus gesundheitlichen Gründen

Der Anwalt äußerte die Hoffnung, dass Mohammadi aufgrund gesundheitlicher Probleme vorübergehend "gegen Kaution freigelassen werden könnte, um sich behandeln zu lassen". Vor drei Tagen sei sie aufgrund ihres schlechten körperlichen Zustands aus dem berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis in eine Klinik gebracht worden, aber anschließend erneut in den Gewahrsam zurückgeführt worden.

Mohammadi war am 12. Dezember bei einer Trauerfeier für einen tot aufgefundenen Anwalt erneut festgenommen worden. Staatsanwalt Hasan Hematifar erklärte damals gegenüber Reportern, sie habe bei der Gedenkfeier in der nordöstlichen Stadt Maschhad provokative Äußerungen gemacht und die Anwesenden dazu aufgefordert, "normenbrechende Parolen zu skandieren" und "den Frieden zu stören".

Seit zehn Jahren immer wieder im Gefängnis

Die 53-jährige Mohammadi war in den vergangenen 25 Jahren wegen ihres Einsatzes gegen den Kopftuchzwang und die Todesstrafe im Iran wiederholt vor Gericht gestellt und inhaftiert worden. Sie hat einen Großteil der vergangenen zehn Jahre im Gefängnis verbracht und ihre beiden Kinder, die in Paris leben, seit 2015 nicht mehr gesehen.

2023 wurde Mohammadi für ihren Einsatz für die Menschenrechte mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Den Preis nahmen damals stellvertretend für sie ihre beiden Kinder in Oslo entgegen.

Im Dezember 2024 wurde Mohammadi aus gesundheitlichen Gründen vorübergehend aus ihrer Haft im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis freigelassen, nach Angaben ihrer Anwälte war ihr zuvor ein Tumor entfernt worden.

Rodeln: Langenhan mit vier Fabelläufen zu Olympia-Gold

Max Langenhan reagiert nach seinem Sieg bei den Olympischen Spielen
Max Langenhan reagiert nach seinem Sieg bei den Olympischen Spielen (© Getty Images)

Max maximal: Wie der alte kommt auch der neue Rodel-Olympiasieger aus Deutschland. Max Langenhan krönte in Cortina seine Karriere - und holte das erste deutsche Gold der Winterspiele 2026. Mit-Favorit Felix Loch hatte mit der Medaillenvergabe nichts zu tun, erlebte aber einen versöhnlichen Abschluss.

Was für eine Demonstration: Mit vier Mal Bahnrekord in vier Läufen ist Max Langenhan zu Olympia-Gold gerast. Der 26-Jährige krönte seine Karriere damit am Sonntag (08.02.2026). Der Thüringer distanzierte den Österreicher Jonas Müller (+ 0,596 Sekunden) und den Italiener Dominik Fischnaller (+ 0,934 Sekunden) auf die Plätze zwei und drei.

Gold widmet Langenhan totem Trainer

"Die Medaille hängt ganz schön schwer. Ich hab schon Nackenprobleme", sagte Langenhan nach dem Wettkampf lachend im ZDF. Mit Nackenproblemen kennt sich der neue Olympiasieger aus, in allen Läufen hatte er mit steifem Nacken zu kämpfen. Und fuhr dennoch Bestzeit. "Es ist schon ganz schön cool", so Langenhan der die Medaille einem Trainer widmete, der "das hier leider nicht mehr miterleben" konnte. "Ich bin super happy."

Langenhan verdoppelt Halbzeit-Führung

Der von Bundestrainer Patric Leitner als "coole Socke" charakterisierte Langenhan führte bereits zur Halbzeit und verdoppelte seinen Vorsprung auf Müller im dritten Lauf mit Bahnrekord von 52,705 Sekunden nahezu auf 0,294 Sekunden. Und legte im vierten Lauf mit einer Zeit von 52,660 Sekunden und Maximalspeed 131,1 km/h noch einen drauf. Vier Läufe, vier mal Bahnrekord - im Ziel konnte er sein Glück nicht fassen, umarmte seine Freundin lange und ließ sich mit der deutschen Fahne feiern.

Auf Rang vier und damit den ersten Nicht-Medaillenplatz hatte Langenhan, der Olympia-Sechste von 2022, nach vier Läufen komfortable 1,421 Sekunden Vorsprung.

"Du musst nur Dein Gehirn überzeugen"

Für Langenhan ist Olympia-Gold noch vor seinen sechs WM-Titeln der größte Erfolg. Und der kommt ein bisschen überraschend. In diesem Jahr lief es noch nicht optimal. Immer wieder hatte der von seinen Teamkollegen als lässig und cool beschriebene Thüringer mit Verletzungen zu kämpfen.

Im Weltcup musste er zuschauen, wie sein deutscher Teamkollege Felix Loch oder Jonas Müller die Siege unter sich ausmachten. Zwei zweite Plätze waren seine besten Ergebnisse. Doch der Friedrichrodaer, der Zuhause unter einem großen Plakat mit dem Spruch "Dein Körper kann alles, Du musst nur Dein Gehirn überzeugen" trainiert, steckte nicht auf.

Rekord-Rodler Loch wird Sechster

Und anders als Weltcupspitzenreiter Felix Loch war Langenhan auf der neu gebauten Bahn im Cortina Sliding Centre zum Saisonhöhepunkt in seiner besten Form. Der dreimalige Olympiasieger Loch hatte dagegen zu viele Fahrfehler. Im ersten Lauf touchierte er gleich auf den ersten Metern die Bande, hatte einen Fahrfehler in der Kurve vier und nur die neuntbeste Laufzeit. Im dritten Lauf passierte ihm kurz nach dem Start wieder eine Bahnberührung, die er mit Kopfschütteln auf dem Schlitten quittierte. Er fiel auf Rang neun zurück.

Im finalen vierten Lauf steuerte der 26-Jährige den Schlitten in starken 53,146 Sekunden die Eisbahn herunter und konnte sich noch verbessern. Am Ende wurde der Rekord-Weltcupsieger und Rekord-Weltmeister Sechster (+ 1,860 Sekunden). Beim Abgang aus dem Zielbereich konnte Loch dann schon wieder lächeln. Seinen Vater, dem früheren Bundestrainer Nobert Loch, umarmte Felix Loch lange.

Grancagnolo bei Premiere Neunter

Der Chemnitzer Timon Grancagnolo wurde bei seiner Olympia-Premiere Neunter. Dem 22-Jährigen fehlten beim Saison-Höhepunkt rund zwei Sekunden auf Olympiasieger Langenhan. Nach einem groben Fehler im dritten Lauf konnte er sich im vierten Durchgang noch um einen Rang von Platz zehn auf den neunten Platz verbessern (+ 2,301 Sekunden).

Zwölftes deutsches Olympia-Gold der Geschichte

Das Langenhan-Gold ist bereits die zwölfte Goldmedaille für einen deutschen Sportler bei insgesamt 17 Einsitzer-Rennen der Männer. Acht bundesdeutsche Athleten und vier DDR-Rodler machten die Titel seit der Olympia-Aufnahme 1964 unter sich aus. Zuletzt triumphierte Johannes Ludwig in Peking 2022.

Regionales

Baden-Württemberg: Warnstreiks im öffentlichen Dienst: Das ist in BW geplant

Eine Verdi-Fahne ist auf einer Demonstration zu sehen (Archivbild).
Eine Verdi-Fahne ist auf einer Demonstration zu sehen (Archivbild). (© dpa Bildfunk, picture alliance/dpa | Tom Weller )

Bereits Ende vergangener Woche haben Beschäftigte aus dem öffentlichen Dienst gestreikt. Jetzt ruft ver.di zu weiteren Streiks auf. Welche Städte in BW betroffen sind.

Die Gewerkschaft ver.di hat die Beschäftigten im öffentlichen Dienst des Landes ab Montag zu Warnstreiks aufgerufen. Dabei fordert ver.di für die Arbeitnehmer sieben Prozent mehr Gehalt im Monat - mindestens aber 300 Euro zusätzlich, um die unteren Lohngruppen zu stärken. Zudem soll die Vergütung von Nachwuchskräften um 200 Euro im Monat steigen.

Am Montag liegen die Schwerpunkte der Streiks in Baden-Württemberg in Stuttgart und in Heilbronn. In Stuttgart sind dabei voraussichtlich alle Landeseinrichtungen vom Warnstreik betroffen. Neben den Universitäten und Hochschulen handelt es sich dabei auch um die Studierendenwerke, die Ministerien und den Landtag aber auch Behörden wie das Statistische Landesamt oder das Landesamt für Besoldung.

Warnstreik in BW: Hier wird am Montag gestreikt

Auch Beschäftigte der Wilhelma, der Staatsgalerie und des Staatstheaters sind zum Warnstreik aufgerufen. Am Vormittag soll es eine Demo und eine Kundgebung in der Innenstadt geben.

In Heilbronn betreffen die Warnstreiks unter anderem die Hochschulen und das Studierendenwerk sowie das Zentrum für Psychiatrie Weinsberg (Kreis Heilbronn) mit der Außenstelle in Schwäbisch Hall. Am Warnstreik beteiligen wollen sich außerdem Beschäftigte der AOK aus dem Stadt- und Landkreis Heilbronn sowie dem Neckar-Odenwald-Kreis.

In Heilbronn hat bereits eine Kundgebung begonnen: Die Gewerkschaft rechnet mit 200 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Nach der Kundgebung soll es einen Demonstrationszug durch die Innenstadt geben.

Weitere Streiks in BW geplant

Zudem hat ver.di unter anderem zu Warnstreiks in Tübingen, Karlsruhe, Mannheim und Heidelberg am Dienstag aufgerufen.

Am Mittwoch werden die Tarifverhandlungen in Potsdam fortgesetzt. Die Gewerkschaft fordert für die Beschäftigten im Öffentlichen Dienst der Länder sieben Prozent mehr Gehalt im Monat - mindestens aber 300 Euro zusätzlich, bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.

Bayern: Billiger als Wiesn-Maß – Kokain überschwemmt Bayern

 Kokain überschwemmt Bayern
Kokain überschwemmt Bayern (© BR/Julia Müller)

Kokain erreicht immer mehr Konsumenten in Bayern. Inzwischen ist eine Line günstiger als eine Maß Bier auf dem Oktoberfest, zudem macht das Darknet Online-Bestellungen einfacher. Wie die bayerische Polizei versucht gegenzusteuern.

2025 wurden in Abtswind bei Würzburg von der Polizei erstmals spektakuläre 300 Kilogramm Kokain sichergestellt. Bislang ein Einzelfall, erklärt Markus Neueder, Leiter vom Rauschgiftdezernat beim Bayerischen Landeskriminalamt (LKA). "Aber wir haben regelmäßig kleinere Kokainfunde in Bayern und eine steigende Zahl an Delikten." Über 3.900 Fälle waren es allein 2024 – laut Neueder eine Folge der Kokainflut, die seit mehreren Jahren Mitteleuropa und besonders Bayern überschwemmt.

Zunehmend auch deutsche Häfen Einfallstore für Kokain

Seit der Drogenmarkt in den USA gesättigt sei, werden laut Neueder die Gewinnspannen in Europa deutlich attraktiver für südamerikanische Drogenkartelle. Sie verschicken bis zu 400.000 Tonnen Kokain jährlich. Die bayerischen Ermittler verfolgen gemeinsam mit ihren europäischen Kollegen, dem Bundeskriminalamt und dem Zoll die Routen des Kokains.

Weil große Seehäfen in Belgien und Holland ihre Sicherheitsmaßnahmen verstärkt haben, werden auch Häfen in Deutschland, Frankreich, Portugal und Spanien neue Einfallstore für Kokainhandel. Dazu kommt Drogenschmuggel per Flugzeug. Neueder: "Wir gehen in Mitteleuropa davon aus, dass über 20.000 Fahrzeuge speziell umgebaut wurden und hier quasi täglich auf unseren Autobahnen und Straßen unterwegs sind."

Mehr Polizei-Kontrollen im Nachtleben wegen Kokain

Die Ermittler finden die Droge meist kiloweise, oft verborgen in Transportern von Bananenkisten- und Fruchtcontainern. Das weiße Pulver wird eingeschweißt auch in Bauteilen von großen Maschinen versteckt. Ziel sind dann zunächst regionale Depots in abgelegenen Scheunen oder Lagerhallen, wie im Fall von Abtswind, oder kleine Drogenlabore.

2026 wurde Kokain bei Autobahnkontrollen, zuletzt bei Passau und Rosenheim, gefunden. Bei Razzien beispielsweise in Unterfranken wurden Kokainfunde in Wohnungen sichergestellt. Weil Kokain als Partydroge beliebt ist, setzen Ermittler und örtliche Polizei auch auf Kontrollen des Nachtlebens in Szenevierteln.

Junge Konsumenten durch Onlinehandel und Preisverfall

Der Preis für eine Line liegt inzwischen unter dem einer Maß Bier auf dem Oktoberfest, was den Einstieg leicht macht. Dazu komme eine zunehmende Normalisierung von Kokain im öffentlichen Raum und in der Gesellschaft, beklagt Neueder. Kokain gelte als Lifestyledroge, die für mehr Spaß und Leistung sorge: "Es geht immer mehr darum, noch mehr Spaß zu haben, noch mehr Sachen auszuprobieren, noch mehr Risiko einzugehen." Die ehemalige Reichendroge können sich inzwischen auch weniger wohlhabende Konsumentengruppen leisten, etwa Auszubildende oder Studenten.

Dazu kommt die Möglichkeit, im Darknet über Onlineplattformen Kokain nach Hause zu bestellen. Das Angebot ist rund um die Uhr fast überall verfügbar.

Erfolge durch speziellen LKA-Fachbereich

Deshalb setzt Neueder auf weitere Ermittlungserfolge des speziellen LKA-Fachbereichs "Rauschgifthandel online". Durch dessen Erkenntnisse hätten bereits Plattformen geschlossen werden können und es sei zu zahlreichen Verhaftungen gekommen.

Der erste Kontakt mit Kokain sei verbunden mit Feiern und Alkohol, erklärt Jennifer Iglhaut von der Suchthilfe Condrobs e.V. Dabei wirke die Droge zuerst euphorisierend und anregend, doch sie mache bei regelmäßigem Konsum schnell süchtig. "Knapp die Hälfte unserer Klientel hat in den letzten 30 Tagen Kokain konsumiert." Aus ihrer Sicht sei heute akzeptierter, dass man mal bei einer Party eine Line ziehe oder jemand auf der Club-Toilette Kokain konsumiere.

Der Druck der Leistungsgesellschaft führt laut Iglhaut dazu, dass sich junge Menschen einen Kick oder eine psychische "Erleichterung" durch die vermeintliche "Bankerdroge" erhoffen, mit deren Konsum sie Erfolg und Coolness verbinden. Die größte Gefahr liege dabei in steigenden Kokaindosen und dem Mischkonsum mit anderen Drogen und Alkohol.

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

Quelle: Bayern-1-Nachrichten
06.02.2026 - 06:00 Uhr

Berlin: Schüsse auf Werkstatt in Berlin-Neukölln abgefeuert

Der Schriftzug "Polizei", aufgenommen am 22.03.2024 während einer Verkehrskontrolle an der Berliner Straße. (Quelle: dpa-Bildfunk/Soeren Stache)
Der Schriftzug "Polizei", aufgenommen am 22.03.2024 während einer Verkehrskontrolle an der Berliner Straße. (Quelle: dpa-Bildfunk/Soeren Stache) (© dpa-Bildfunk/Soeren Stache )

Auf eine Werkstatt in Berlin-Neukölln sind am Sonntagabend mehrere Schüsse abgefeuert worden. Verletzt wurde dabei niemand, wie ein Polizeisprecher sagte. Zuvor berichtete die "B.Z.".

Erst am Sonntag war auf eine Shishabar in Berlin-Wedding geschossen worden. Dabei wurde ein Mensch durch Glassplitter leicht verletzt.

Die Ermittlungen hat in beiden Fällen die Besondere Aufbauorganisation (BAO) "Ferrum" übernommen. Sie wurde nach vermehrten Schußvorfällen auf Berlins Straßen eingesetzt.

Zuletzt warnte die Polizei nach den gehäuften Vorfällen besonders Geschäftsleute sowie Kneipen- und Restaurantbesitzer vor Schutzgelderpressungen.

Brandenburg, Berlin: Häusliche Gewalt führt in der Region selten zu einer Anklage

Symbolbild:Eine Frau steht an einem Fenster in einem Frauenhaus.(Quelle:picture alliance/dpa/M.Hitji)
Symbolbild:Eine Frau steht an einem Fenster in einem Frauenhaus.(Quelle:picture alliance/dpa/M.Hitji) (© picture alliance/dpa/M.Hitji)

Jedes Jahr beschäftigen sich die Strafermittler in Berlin und Brandenburg mit Tausenden Fällen von häuslicher Gewalt. Nur in einem Bruchteil davon kommt es tatsächlich zu einer Anklage. Meist werden die Ermittlungen eingestellt.


  • Drei von vier Ermittlungsverfahren zu häuslicher Gewalt stellt die Berliner Staatsanwaltschaft ein

  • Anteil ist in Brandenburg sogar noch höher

  • Nur ein Bruchteil führt zu Anklagen vor Strafgerichten

Fälle von häuslicher Gewalt werden in Berlin und Brandenburg kaum bestraft. Das geht aus Daten hervor, die Staatsanwaltschaften aus beiden Bundesländern der Investigativ-Redaktion rbb24 Recherche zur Verfügung gestellt haben. Demnach werden mehr als drei Viertel der Verfahren zu häuslicher Gewalt eingestellt.

Die Strafverfolgung von häuslicher Gewalt sei für alle Beteiligten eine besondere Herausforderung, sagt Christina Clemm. Die Berliner Fachanwältin für Straf- und Familienrecht berät vor allem Frauen, die Gewalterfahrungen gemacht haben. Die oftmals langwierigen Verfahren seien für viele Betroffene eine enorme Belastung.

Viele würden auf diesem Weg aufgeben. Sie seien, so Clemm, nicht gewillt, auszusagen. "Weil sie eben nicht die Sicherheit haben, aussagen zu können, ohne dass sie weiteren Gefahren ausgesetzt sind." Betroffene wüssten aber auch oft zu wenig über ihre rechtlichen Möglichkeiten und schreckten deshalb davor zurück, Anzeige zu erstatten. Oft fehle es auch einfach an geschulter Begleitung bei diesen Schritten, so Clemm, etwa durch eine Opferhilfe-Organisation.

Dorothee Dienstbühl, Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg

Das kriegen wir überhaupt nicht verurteilt, was da an Tatverhalten zum Teil gezeigt wird.

Anklage in nicht einmal drei Prozent der Fälle

In Berlin beschäftigte sich die Staatsanwaltschaft 2024 mit 15.045 Verfahrenseingängen, bei denen häusliche Gewalt eine Rolle spielte. Damit sind Fälle gemeint, in denen die Anklagebehörde oder auch die Polizei genügend Hinweise erkannte, um Ermittlungen einzuleiten.

Im gleichen Jahr wurden 441 Anklagen wegen häuslicher Gewalt erhoben. Das entspricht einem Anteil von 2,9 Prozent verglichen mit der Gesamtzahl der Eingänge in 2024.

In weiteren 797 Fällen gab es einen Strafbefehl. Es erfolgte also eine Bestrafung, ohne dass es zu einer mündlichen Hauptverhandlung vor Gericht kam. In den meisten Fällen handelt es sich dabei um Geldstrafen.

Dieser Weg wird von der Amtsanwaltschaft, die die meisten Verfahren zur häuslichen Gewalt bearbeitet, vor allem dann angestoßen, wenn es sich um Straftaten handelt, die vom Gesetz als eher geringfügig definiert sind. Oder wenn die Ereignisse aus Sicht der Ermittler eindeutig sind. Auf Antrag der Amtsanwaltschaft entscheidet dann ein Gericht, einen Strafbefehl zu erlassen. Nur, wenn der Beschuldigte dagegen innerhalb von zwei Wochen Einspruch einlegt, kommt es zu einer mündlichen Verhandlung.

Die allermeisten Verfahren wurden allerdings eingestellt. Etwa, weil es nicht ausreichend Anhaltspunkte oder Beweise gab, die ein erfolgreiches Strafverfahren wahrscheinlich machten. 2024 betraf dies in Berlin rund 76 Prozent aller Verfahrenseingänge.

In den vergangenen Jahren hat die Zahl der Ermittlungsverfahren zu häuslicher Gewalt in Berlin stark zugenommen. Noch 2021 wurden 11.078 entsprechende Fälle bearbeitet. Vier Jahre später waren es rund 4.000 mehr.

Dieser Trend hält an. Nach vorläufigen Auswertungen wurde 2025 ein neuer Höchststand registriert: Bei der Berliner Staatsanwaltschaft gingen demnach 16.343 Verfahren im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt ein.

In Brandenburg werden Strafverfahren noch häufiger eingestellt

Ein ähnliches Bild zeigt sich in Brandenburg. Dort gingen im Jahr 2024 insgesamt 2.983 Verfahren im Zusammenhang mit häuslicher Gewalt ein.

Lediglich in 190 Fällen kam es zu einer Anklage – also in rund 6,4 Prozent der Fälle. Außerdem wurden 83 Strafbefehle ausgesprochen (2,8 Prozent). Auffällig ist, dass in Brandenburg solche Verfahren weitaus häufiger eingestellt werden als in Berlin. Zuletzt lag die Quote bei 85,8 Prozent.

Aber: Anders als in Berlin zeigte sich in Brandenburg in den vergangenen Jahren kein eindeutiger Aufwärtstrend. Vielmehr bewegte sich die Zahl der Eingänge bei den Staatsanwaltschaften auf einem Niveau, das in Bezug auf die Bevölkerungszahl sehr niedrig liegt.

Dass häusliche Gewalt in Brandenburg seltener vorkommt als in Berlin, lässt sich daraus nicht zwangsläufig ableiten. Die Recherchen des rbb lassen vielmehr die Vermutung zu, dass in kleinen Städten und Dörfern die Hemmschwelle höher liegt, entsprechende Fälle anzuzeigen.

Die Polizei erlebe oft Einsätze, bei denen sich Opfer von häuslicher Gewalt schämen oder entblößt fühlen, sagt Dorothee Dienstbühl von der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg. "Sodass sie dann wirklich diese Angst haben: 'Oh mein Gott, es ist entdeckt worden. Was sollen die Nachbarn von mir denken?'"

Statistiken zeigen nur einen Teil des Problems

Die Zahlen der Staatsanwaltschaften bilden nur einen Teil der tatsächlich auftretenden Gewalt im privaten Umfeld ab. Das Dunkelfeld sei sehr groß, sagt Dorothee Dienstbühl. "Da kommen wir zu dem Schluss, dass es doch deutlich mehr Fälle von häuslicher Gewalt gibt, als eben die, die wir in den Statistiken wiederfinden."

Derzeit untersucht das Bundeskriminalamt gemeinsam mit dem Bundesfamilien- und dem Bundesinnenministerium in einer groß angelegten Studie das Dunkelfeld im Bereich häusliche Gewalt. Erste Erkenntnisse ergaben, dass die Anzeigequote bei unter zehn Prozent liegt. Bei Gewalt in Partnerschaften sind es sogar weniger als fünf Prozent. Ein Abschlussbericht wird in diesem Jahr erwartet.

Viele Formen von Gewalt sind nicht strafbar

Was unter den Begriff häusliche Gewalt eingeordnet werden könne, sei sehr vielschichtig, so die Kriminalistik-Professorin Dienstbühl. Vor allem psychische Gewalt ist oft nicht strafbar, beispielsweise wenn Frauen unter Druck gesetzt werden, oder ihr Tagesablauf vom Partner übermäßig kontrolliert wird. "Das heißt, das kriegen wir überhaupt nicht verurteilt, was da an Tatverhalten zum Teil gezeigt wird."

Polizei, Amtsanwaltschaften und Staatsanwaltschaften treffen auf viele Hürden bei der Aufklärung. Bei Konstellationen, in denen Aussage gegen Aussage steht, ist die Beweisführung oft schwierig. In anderen Fällen nehmen Betroffene ihre Zeugenaussage wieder zurück oder verweigern sie plötzlich vor Gericht.

Hilfeeinrichtungen kritisieren Polizeiarbeit

Frauenhilfeeinrichtungen beobachten zudem, dass die Polizei den Schutz von gewaltbetroffenen Frauen kaum präventiv übernehmen kann. "Die Polizei arbeitet nach dem Prinzip, dass sie erst etwas tut, wenn etwas passiert ist", sagt eine Sozialarbeiterin aus dem Norden Berlins. Sie hat Sorge, bedroht zu werden, und möchte deshalb unerkannt bleiben.

"Gewalt ist dann, wenn sie in diffusen Bedrohungslagen, als psychische Gewalt, oder zwischen zwei Personen in partnerschaftlichen Beziehungen verübt wurde, sehr schwierig zu verfolgen und sehr schwierig zu beweisen." Betroffene schildern darüber hinaus den Eindruck, dass ihnen von Ermittlungsbehörden zu selten geglaubt werde, oder das Ausmaß der Gewalt heruntergespielt würde.

Polizeistandard beinhaltet Schutz von Betroffenen

Die Polizei Berlin verweist auf Anfrage von rbb24 Recherche darauf, dass es für Einsätze bei häuslicher Gewalt Standards "für den Einsatzort, für die Tatortarbeit und die Spurensicherung" gibt, die "eine Mindestanforderung an die polizeiliche Arbeit" darstellen und dafür sorgen sollen, dass alle Fälle ordentlich erfasst werden. Demnach gehören auch "der Schutz und die Unterstützung von Betroffenen" dazu.

Die Polizei Brandenburg gibt außerdem zu bedenken, dass für eine wirksame Bekämpfung von häuslicher Gewalt "ein Zusammenwirken mit Justiz, Jugendämtern, Sozialdiensten, Opferhilfeeinrichtungen und weiteren gesellschaftlichen Akteuren" nötig sei.

Fachanwältin Christina Clemm wünscht sich darüber hinaus für Fälle von häuslicher Gewalt - ähnlich wie bei Sexualstraftaten – die Möglichkeit einer richterlichen Videovernehmung. Betroffenen bliebe damit erspart, mehrfach aussagen zu müssen. Stattdessen könnte vor einem Strafgericht ein Video der Zeugenaussage abgespielt werden. "Das bräuchten wir dringend bei Partnerschaftsgewalt", findet Clemm. "Da ist der Druck noch größer, als wenn es einen Fremdtäter gegeben hat."

Beitrag von Tina Friedrich, Torsten Mandalka und Oliver Noffke, Mitarbeit: Götz Gringmuth-Dallmer

Bremen: "Sowas soll es mehr geben": Inklusion auf Bremens Theaterbühnen

Tanzszene mit acht Personen im Kreis auf einer Theaterbühne
Tanzszene mit acht Personen im Kreis auf einer Theaterbühne (© Radio Bremen)

Dank des Blaumeier-Ateliers und Tanzbar Bremen schreitet die Inklusion in der Bremer Kultur voran. Aber langsam. Es mangelt an Geld, Räumen und anerkannten Ausbildungen.

Wie viel Spaß Proben machen können – das wird klar beim Besuch eines Warm Ups zum Jubiläumsstück von Blaumeier. 40 Jahre bereits existiert das älteste inklusive Theaterprojekt in Bremen. Für viele Menschen mit Beeinträchtigung ist das Schauspielern eine der wenigen Möglichkeiten, sich kreativ auszuleben, die Freizeit aktiv zu gestalten.

Entsprechend sagt Nazli Kiziltepe, Künstlerin im Blaumeier-Atelier: "Sowas soll es mehr geben, damit niemand alleine ist. Damit keiner Langeweile hat. Damit alle strahlend nach Hause gehen."

Dorothe Burhop, ebenfalls bei den Blaumeiers, sagt gar auf die Frage, wie das Leben ohne Blaumeier wäre: "Geht gar nicht." Blaumeier ist ein Freizeitprojekt und für die Schauspielerinnen und Schauspieler mit Beeinträchtigung ein Hobby.

Für Till Krumwiede ist es der Beruf. Er ist festangestellter Tänzer beim Verein Tanzbar Bremen. Zusammen mit der Tanzkompanie vom Theater Bremen steht er gerade mit dem Stück "The Tide" auf der Bühne. Wie er dazu gekommen ist, beschreibt Krumwiede mit diesen Worten: "Ich war zurückhaltend, weil ich gemerkt habe: Es ist zu professionell. Dann habe ich den Mut gehabt."

In Sachen inklusiver Kulturarbeit gehört Tanzbar Bremen, neben Blaumeier, zu den Pionieren in der Stadt. Viele Entwicklungen haben sie angestoßen.

Dass Menschen mit Behinderung auf der Bühne stehen, ist heute allerdings immer noch eine Ausnahme. Die Schwierigkeiten beginnen schon bei der Ausbildung. Im Moment übernehmen Vereine wie das Blaumeier-Atelier oder Tanzbar Bremen die Ausbildung. Die Künstlerinnen und Künstler lernen viel, haben am Ende aber kein Zertifikat. Das ist ein Problem, findet die Regisseurin Sabina Mak: "Um in den professionellen Bereich zu gehen, brauchen die Leute auch Zugang zur Ausbildung. Das kommt jetzt allmählich. Aber auch Hochschulen merken: Wow, das ist eine Herausforderung, barrierefrei zu sein."

Und auch Kulturstätten selbst fehlen oft die Voraussetzungen für inklusive Projekte. Meist beginnt es mit der Barrierefreiheit. In der Alten Zollkantine in der Überseestadt gibt es jede Menge Proberäume für Bremer Musikerinnen und Musiker. Doch Menschen mit körperlicher Behinderung können die nicht erreichen.

Dazu sagt Manuel Jänig von der Musikszene Bremen: "Wer keine Zugänge hat zu Proberäumen, der hat natürlich auch ein Problem damit, etwas einzustudieren, um es auf die Bühne zu bringen." Barrierefreiheit heißt aber auch: Fahrdienste zur Probe oder zum Auftritt, manchmal braucht es extra Assistenzen. Das alles kostet.

Viele kleine Fördertöpfe

Eine besondere Förderung für inklusive Kulturprojekte ist im Bremer Kulturetat nicht vorgesehen. Die großen Häuser bekommen ihren festen Betrag und müssen dann selbst entscheiden, was sie davon für inklusive Projekte ausgeben wollen.

Für kleinere Einrichtungen und Vereine gibt es die Projektförderung: "Wir fördern gezielt kleinere Projekte, dafür haben wir einen entsprechenden Topf. Wir haben gezielte Förderungen für die Spezialisten, wie zum Beispiel Blaumeier. Und wir gehen in die Breite mit den größeren Institutionen", beschreibt Jens Tittmann aus dem Kulturressort das Vorgehen Bremens.

Zusätzlich hat das Ressort noch einen Topf mit 20.000 Euro bereitgestellt. Der ist vor allem für ganz praktische Dinge rund um Barrierefreiheit gedacht: Rollstuhlrampen für Festivals zum Beispiel oder Gebärdendolmetscher.

Für ganze Produktionen aber reicht der Topf bei weitem nicht aus. Geld kommt deshalb auch von anderen Stellen: 180.000 Euro etwa aus dem Sozialressort für das inklusive Kursangebot Blaumeiers sowie 15.000 Euro für das wöchentliche Tanztraining von Tanzbar Bremen.

"Aktion Mensch" unverzichtbar

Einzelne Projekte unterstützt zudem die "Aktion Mensch". Im Jahr 2025 waren das 16 in der Stadt Bremen mit einer Fördersumme von 1,19 Millionen Euro sowie vier in Bremerhaven mit einer Fördersumme von 330.000 Euro.

Geld, Personal, Know-How: Das sind die Voraussetzungen für mehr Inklusion auf den Bühnen. Wieso mehr Inklusion in der Kultur dringend notwendig ist, erklärt Regisseurin Sabina Mak: "Wir sind eine Gesellschaft, die immer diverser denkt." Auf der Bühne bildeten die Theater diese Gesellschaft ab. Entsprechend sollten auch alle Menschen, die dazu gehören, auf der Bühne sichtbar sein.

Hessen: Nach Giftanschlag auf Platanen: Neue Bäume für Frankfurter Merianplatz

Der Frankfurter Merianplatz mit einer Litfasssäule und einem Café im Zentrum, im Vordergrund Menschen, im Hintergrund Häuser und zwei Platanen mit teils grünen, teils abgestorbenen Blättern
Der Frankfurter Merianplatz mit einer Litfasssäule und einem Café im Zentrum, im Vordergrund Menschen, im Hintergrund Häuser und zwei Platanen mit teils grünen, teils abgestorbenen Blättern (© Grünflächenamt Frankfurt am Main )

Gut ein halbes Jahr nachdem zwei vergiftete Platanen am Merianplatz in Frankfurt gefällt werden mussten, will die Stadt dort acht junge Bäume als Ersatz pflanzen. Der Vorfall hatte große Bestürzung ausgelöst.

Es war ein Schock im vergangenen Sommer am Merianplatz im Frankfurter Stadtteil Nordend: Zwei Platanen waren von Unbekannten vergiftet worden und mussten gefällt werden. Zuvor waren 200 Menschen zu einer Abschiedsfeier mit Musik, Redebeiträgen und einer Schweigeminute für die beiden 60 Jahren alten Bäume gekommen.

120 Quadratmeter werden entsiegelt

Nun kam die gute Nachricht: Acht junge neue Bäume werden auf dem Platz gepflanzt, wie die Stadt mitteilte. Die Arbeiten sollen zeitnah beginnen und noch innerhalb der Pflanzperiode im März abgeschlossen werden.

Rund 120 Quadratmeter des Platzes sollen dafür entsiegelt werden. Erst sollen Baumbeete mit Belüftungsrohren angelegt und dann der Baumnachwuchs gepflanzt werden - unter anderem zwei Winterlinden, eine ungarische Eiche, eine orientalische Platane und eine Edelkastanie.

Neue Bäume sollen künftig Schatten spenden

Alle Bäume bekommen unterirdisch großzügig erweiterte Baumgruben, damit die Wurzeln mehr Raum haben, wie die Stadt weiter mitteilte. "Eine gute Entwicklung vorausgesetzt, werden die neuen Bäume insbesondere im Sommer künftig Schatten spenden können."

Umweltdezernentin Tina Zapf-Rodríguez (Grüne) sagte. "Die mutwillige und sinnlose Vergiftung der Platanen hat uns nicht entmutigt. Im Gegenteil: Wo Bäume zerstört wurden, sorgen wir gemeinsam mit dem Ortsbeirat für eine hoffnungsvolle Perspektive."

Skulptur zur Erinnerung an vergiftete Platanen

Zur Erinnerung an die vergifteten Bäume soll eine symbolische Skulptur errichtet werden, zu der das Grünflächenamt einen Vorschlag entwickelt hat. Über die finale Gestaltung soll der Ortsbeirat beraten.

Anfang Mai 2025 hatten Anwohner und Mitarbeiter des Grünflächenamts den schlechten Zustand der beiden Platanen auf dem beliebten Platz an der unteren Berger Straße entdeckt. Sie hatten kaum noch Blätter, die wenigen vorhandenen waren braun.

Ein Gutachten bestätigte, dass sie vergiftet wurden. Unbekannte hatten dazu die Bäume angebohrt. Das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat wurde in die Löcher gefüllt.

Zweiter Giftanschlag auf einen der Bäume

An einem der Bäume wurde der Giftanschlag sogar ein zweites Mal verübt. Zapf-Rodríguez zeigte sich seinerzeit "fassungslos, wütend und voller Trauer zugleich".

Dass die Bäume den Giftanschlag überleben würden, war ausgeschlossen. Sie mussten aus Sicherheitsgründen kurzfristig gefällt werden.

Wer den Giftanschlag verübte, ist weiter unklar. Die Kosten unter anderem für Fällarbeiten und Gutachten beliefen sich nach Angaben des Umweltamtes der Stadt auf rund 30.000 Euro.

Nordrhein-Westfalen: Bahnsperrung: Schienenersatzverkehr läuft, A46 deutlich voller

Ein Ersatzbus steht an der Historischen Stadthalle in Wuppertal
Ein Ersatzbus steht an der Historischen Stadthalle in Wuppertal (© WDR / Deus)

Ab heute ist erstmals der Berufsverkehr in unserer Region von der Bahn-Vollsperrung betroffen. Einige Städte sind komplett vom Zugverkehr abgeschnitten. So ist die Lage vor Ort.

Wer heute zwischen Bergischem Land, Ruhrgebiet und Rheinland unterwegs ist, sollte deutlich mehr Zeit einplanen. Für die ausgefallenen Züge gibt es einen umfangreichen Ersatzverkehr mit Bussen - die brauchen aber deutlich länger als die Bahn. Zudem halten die Busse zum Teil nicht direkt an den Bahnhöfen. Pendler sollten daher unbedingt vor der Abfahrt ihre Verbindung im Internet überprüfen, dort sind auch die Abfahrtshaltestellen aufgelistet.

Auf der Autobahn war im Berufsverkehr mehr los als gewöhnlich: Die A46 zwischen Düsseldorf, Wuppertal und Hagen wird von deutlich mehr Pendlern als üblich genutzt, berichtet das WDR-Verkehrsstudio. In Richtung Wuppertal staute es sich zeitweise auf bis zu 10 Kilometern, in Richtung Düsseldorf gab es bis zu 6 Kilometer Stau. Das bedeutete zwischen 30 und 45 Minuten mehr Fahrtzeit.

So ist die Lage in Hagen, Solingen und Wuppertal-Vohwinkel

In Wuppertal-Vohwinkel hält sich das Chaos am frühen Montagmorgen in Grenzen. Nur wenige Pendler waren überrascht von den Ausfällen, berichtet ein WDR-Reporter vor Ort. Stattdessen haben sich die meisten auf die Fahrt mit dem SEV und auf 45 Minuten mehr von Wuppertal bis nach Düsseldorf eingestellt. Bei der Auslastung herrscht ein gemischtes Bild: Von entspannter Leere bis Überfüllung war am ersten Tag alles daei.

An der Haltestelle des Schienenersatzverkehrs in Wuppertal trifft unsere WDR-Reporterin die 18-jährige Marie Schumacher, die zur Schule nach Essen muss. "Mein Bus sollte jetzt eigentlich vor zehn Minuten kommen, ist immer noch nicht da. Mal gucken, ob er noch kommt." Eine halbe Stunde mehr hat die Wuppertalerin jetzt mehr eingeplant - pro Strecke.

Marie Schumacher, Schülerin aus Wuppertal

Auch in Solingen und Hagen ist die Laune bei den Pendlerinnen und Pendlern am frühen Morgen noch gut, auch wenn sie ebenfalls deutlich länger unterwegs sind. Eine Frau, die von Hagen bis nach Wuppertal kommen muss, rechnete am Morgen mit rund einer Stunde mehr Fahrt.

In Leverkusen wartete Sharantan Kethiswaran auf den Schienenersatzverkehr: "Ich muss am Tag eine Stunde länger einplanen. Ich komme deutlich später abends nach Hause. Das heißt für mich, ich werde 3 Stunden unterwegs sein. Das geht ja jetzt 5 Monate. Ich überlege wirklich, mir ein Auto kaufen zu müssen."

Solingen, Leichlingen, Haan: Fünf Monate lang keine Züge

Rund um Wuppertal fahren seit Freitagabend keine Züge mehr. Betroffen sind alle Fern- und Regionalverbindungen sowie die S-Bahn-Linien. Allein die Schwebebahn schaukelt noch über den Döppersberg. Grund für die Vollsperrung sind umfassende Sanierungsarbeiten an der wichtigen Zugstrecke. Die dauern laut Bahn bis zum 10. Juli 2026.

Die Folgen für Bahnpendler im Bergischen Land sind drastisch. Leichlingen und Haan sind über fünf Monate vom Zugverkehr abgeschnitten. Am Solinger Hauptbahnhof fahren nur noch die S-Bahnen. Auf der wichtigen Achse von Düsseldorf, Mettmann über Wuppertal nach Hagen wechseln sich Vollsperrungen mit Teilsperrungen ab. Eine detaillierte Übersicht bietet unser FAQ zur Bahnsperrung.

Unsere Quellen:

  • Deutsche Bahn
  • Eindrücke von WDR-Reportern im Rheinland und Ruhrgebiet

Rheinland-Pfalz: Programm für Fernsehsitzung "Mainz bleibt Mainz" steht

Zum ersten Mal in der Geschichte von "Mainz bleibt Mainz" ist eine Frau die Chefin des Protokolls: Christina Grom übernimmt das Amt von ihrem Vater.
Zum ersten Mal in der Geschichte von "Mainz bleibt Mainz" ist eine Frau die Chefin des Protokolls: Christina Grom übernimmt das Amt von ihrem Vater. (© SWR)

Ein Wiedersehen mit einem alten Bekannten wird es bei der diesjährigen Fastnachtssendung "Mainz bleibt Mainz" im ZDF geben. Außerdem kann sich das Publikum auf eine Premiere freuen.

Am 13. Februar gibt es eine Premiere im Kurfürstlichen Schloss bei der ersten politischen Rede: Zum ersten Mal in der Geschichte von "Mainz bleibt Mainz" ist nämlich eine Frau die Chefin des Protokolls. Christina Grom übernimmt das Amt von ihrem Vater Erhard Grom. Neben ihr sind wieder bekannte Größen der Mainzer Fastnacht dabei: Johannes Bersch als "Moguntia" und Florian Sitte, der als "Till" der Politik den Spiegel vorhält. Thomas Becker wirft als "Zeitgeist" einen Blick auf die schnelllebigen Entwicklungen des aktuellen Weltgeschehens.

Andreas Schmitt wieder Sitzungspräsident

Nach einer Pause aus gesundheitlichen Gründen im vergangenen Jahr wird Andreas Schmitt wieder als Sitzungspräsident durch das Programm führen und später wieder in seiner Paraderolle als "Obermessdiener vom Mainzer Dom" auftreten.

Neben der politisch-literarischen Fastnacht wird es natürlich auch Meenzer Kokolores geben. Jürgen Wiesmann alias "Ernst Lustig" feiert ein Jubiläum - seinen 25. Auftritt in der Fernsehsitzung. Zum letzten Mal wird das Publikum den als "Hobbes" bekannten Hansi Greb sehen. Er verabschiedet sich nach Jahrzehnten von der Bühne.

Frauen-Quartett auf der Bühne

Mit im Programm sind vier Frauen: Katharina Greule, die als Influencerin im Museum gemeinsam mit Laura Heinz, Teresa Betz und Marie Döngi ein bildstarkes Bühnenspektakel liefern werden. Markus Schönberg berichtet von seinen Erlebnissen auf dem Mainzer Marktfrühstück, die er am Klavier in seinem Lied "Wann ist des Frühstück wieder richtig" verarbeitet.

Für musikalische Stimmung sorgen bekannte Größen und ein Newcomer: Oliver Mager, DobbelBock und Shootingstar Marvin Hollederer wollen den Saal mit einem Medley rocken. Für Hollederer alias "Hollebutz" ist es seine TV-Premiere als Solist. Neue Musik gibt es auch von der Band "Handkäs un sei Mussig".

Mit dabei sind wieder Thomas Neger und die HUMBAS mit der Hymne "Im Schatten des Doms", die Schnorreswackler und natürlich die Mainzer Hofsänger. Mit ihrem Potpourri aus der 100-jährigen Geschichte des wohl bekanntesten deutschen Fastnachts-Chores geht es dann ins große Finale, unterstützt vom MCV-Hofballett und den Mainzer Garden.

Saarland: Saarland plant keine umfassende Umstellung auf Open-Source-Software

Mann sitzt vor Computer-Bildschirm und telefoniert.
Mann sitzt vor Computer-Bildschirm und telefoniert. (© picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild | Britta Pedersen)

Europa will sich unabhängiger von den USA machen, auch in der IT. Die saarländische Landesverwaltung hält dennoch an Microsoft-Software fest, statt flächendeckend auf Open-Source zu setzen. Warum sie das tut und welche Risiken es dabei gibt.

Spätestens, seit US-Präsident Donald Trump im Streit um Grönland erneut mit Zöllen gedroht hat, um seine Interessen durchzusetzen, werden in Deutschland und Europa Forderungen lauter, sich unabhängiger von den USA zu machen.

Einer der Schlüsselbereiche, in denen die Abhängigkeit besonders groß und problematisch ist, ist die IT. US-amerikanische Firmen dominieren in weiten Teilen das Angebot an Anwenderprogrammen.

Auch die saarländischen Landesverwaltung nutzt überwiegend Standardsoftware von Microsoft, vor allem die gängigen Office-Anwendungen sowie Software für Videokonferenzen, teilt das Wirtschafts- und Digitalministerium auf Anfrage mit.

Risiken durch US-Software

Wer auf IT-Dienstleistungen großer US-amerikanischen Konzerne setzt, handele sich mehrere Risiken ein, sagt Jochim Selzer, ein Sprecher des Chaos Computer Club (CCC).

„Eine Gefahr besteht darin, dass gerade bei solchen zentralisierten Diensten Daten mitgelesen werden können. Die andere Gefahr besteht darin, dass sie Regeln vorgeben und sagen können: Wenn ihr euch an diese Regeln nicht haltet, sperren wir euch Zugänge oder ziehen Nutzungslizenzen zurück.“ So etwas könne möglicherweise auch auf Druck der US-Regierung passieren.

In einem solchen Szenario würden etwa Microsoft Office-Programme von einem Tag auf den anderen nicht mehr funktionieren oder Daten aus Cloud-Anwendungen nicht mehr zur Verfügung stehen. Selzer betont, dass dies „Worst-Case-Szenarien“ seien. Ob sie wirklich eintreten würden, sei Spekulation. Nach einem Jahr Trump halte er inzwischen aber „relativ viel für möglich“.

Keine Open-Source-Strategie im Saarland

Auch, damit es zu solchen Worst-Case-Szenarien gar nicht erst kommen kann, setzt Schleswig-Holsteins Landesverwaltung als erstes Bundesland vollständig auf von US-Konzernen unabhängige Open-Source-Software. Auch der Stadtstaat Berlin hat Anfang 2026 eine Open-Source-Strategie für seine Verwaltung veröffentlicht.

Im Saarland, das im vergangenen Jahr rund 3,3 Millionen Euro für Lizenzen der bedeutendsten US-Anbieter ausgegeben hat, gibt es hingegen keine umfassende Open-Source-Strategie. In der 2025 vorgestellten Digitalstrategie der Landesverwaltung heißt es lediglich, man wolle „Abhängigkeiten managen“ und „Open-Source-Software gezielt einsetzen“.

Eine flächendeckende Umstellung der Software sei nicht geplant, teilte das Digitalministerium auf Nachfrage mit. Zur Begründung heißt es: Die „eingesetzten Office-Lösungen bieten die erforderliche Funktionalität, Kompatibilität und Sicherheit und werden in der Verwaltung breit akzeptiert.“

Open-Source-Software

Open-Source-Software unterscheidet sich von herstellergebundener Software darin grundlegend, dass der Quellcode frei verfügbar ist. Das bedeutet, dass der Anwender das Programm unabhängig von seinen Autoren in der Regel beliebig verändern, weitergeben und erkannte Schwachstellen oder Fehler veröffentlichen darf. Weil der Quellcode jedem offen zugänglich ist, wird solche Software Open-Source-Software genannt (Quelle: Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)).

Alternativen zu Microsoft und Co sind vorhanden

Dabei gebe es durchaus Open-Source-Alternativen, die einen gleichen Funktionsumfang wie die Microsoft-Produkte böten. Dazu gehöre etwa LibreOffice, sagt IT-Sicherheitsprofessor Damian Weber von der HTW Saar. Allerdings seien die meisten Mitarbeiter in Microsoft Office-Anwendungen geschult, eine Umstellung würde Schulungen und neues Lernen erfordern.

Die Landesregierung verweist hingegen auf das breite Schulungs- und Supportangebot als Pluspunkt der etablierten Software. Das erleichtere die Einarbeitung neuer Beschäftigter sowie die Fehlerbehebung.

Datenabflüsse von Europa nach Amerika?

Gerade die Möglichkeiten der Fernwartung bieten allerdings ein Einfallstor für Datenabflüsse, sagt CCC-Sprecher Selzer. Denn so könnten US-Anbieter selbst dann auf Daten und Inhalte zugreifen, wenn die Server der Unternehmen in Europa stünden.

Selzer verweist auf die Anhörung eines Mitarbeiters von Microsoft vor dem französischen Parlament. Dieser hatte zugegeben, dass es keine Garantie gebe, dass EU-Daten vor einer Übermittlung in die USA sicher sind. Auch wenn es bis dahin noch nicht vorgekommen sei, sei Microsoft bei korrekt begründeten Anfragen der US-Regierung verpflichtet, die angefragten Daten weiterzugeben, so der Mitarbeiter.

Landesregierung setzt auf föderale Zusammenarbeit

Das zeigt, wie schwierig im Ernstfall der Spagat der Landesregierung sein dürfte, „die Vorteile der marktführenden Produkte mit den Anforderungen an die digitale Souveränität zu vereinbaren“, wie es das Digitalministerium als Ziel ausgibt. Es setzt dafür unter anderem auf die föderale Zusammenarbeit bei der Verwaltungsdigitalisierung. Dabei sollen etwa Cloud-Dienste entwickelt werden, die möglichst viel Kontrolle über die eingesetzte Software bieten.

Auch CCC-Sprecher Selzer hält es für illusorisch, die Abhängigkeit von den US-Diensten auf die Schnelle überwinden zu können. Und der Versuch von Selzers‘ Bundesland Schleswig-Holstein, von Microsoft- auf Open-Source-Programme umzustellen, sei „nicht ganz unholprig gewesen“, gibt der Experte zu.

Selzer plädiert darum dafür, in kleinen Schritten vorzugehen. So könne man die Open-Source-Alternativen etwa parallel zu den Microsoft-Office-Programmen einführen und dann stückweise umstellen.

Eine solche Umstellung müsse vor allem gut vorbereitet sein, sagt Selzer. Eine spezielle Open-Source-Strategie könnte da vielleicht helfen.

Sachsen: Shakespeare trifft Taylor Swift: Darum überzeugt das neue Stück in Leipzig nicht

Ein blonde Frau in schwarzem Glitzeranzug steht auf einer grün erleuchteten Bühne und singt in ein Mikro.
Ein blonde Frau in schwarzem Glitzeranzug steht auf einer grün erleuchteten Bühne und singt in ein Mikro. (© Rolf Arnold)

Am Schauspiel Leipzig hat das Stück "Was ihr wollt  (A Tortured Lover's Version)" am Wochenende seine Premiere gefeiert. Die Regisseurin kombiniert in ihrer Inszenierung den Shakespeare-Klassiker mit Songs von Taylor Swift wie "Shake It Off", "Lover", "The Man" oder "Clara Bow". So soll betont werden, welche modernen Fragen die Komödie stellt. Doch das sei ein misslungener Abend, findet unser Kritiker.

  • Am Schauspiel Leipzig wurde Shakespeares "Was ihr wollt" zum Konzert-Theater mit Songs von Taylor Swift.
  • So soll betont werden, wie relevant die Fragen der Komödie heute noch sind.
  • Die Regie huscht über die Handlung und schafft es so kaum zu überzeugen.

Eine Schauspielerin kommt als Taylor Swift in Harlekin-Verkleidung auf die Bühne. Mit Kostüm und Maske aus der Commedia dell'arte. Sie steckt ihr Gesicht durch den geschlossenen Vorhang, tritt auf die Vorbühne und singt, ganz verhalten noch: "I'm a mirrorball. And I'll show you every version of yourself tonight." – übersetzt: "Ich bin eine Diskokugel. Und ich spiegele dir heute Nacht alle Versionen deiner Selbst." Das klingt wie ein Versprechen. Und wird am Ende nicht eingelöst. Doch der Reihe nach.

Taylor Swift Songs auf Leipziger Bühne

Dieser Harlekin, der sich fortan Taylor (gespielt von Juli Niemann) nennt, stellt uns die Figuren der Komödie vor. Taylor wird fortan die Spielmacherin sein, führt uns am Leipziger Schauspiel durch die Handlung, dabei immer cool und lässig über den Dingen stehend, und streut, wenn es passt, ein paar Zeilen aus Taylor Swifts Liedern in die Szenen ein.

Gefühlt sind es ein knappes Dutzend: "Shake It Off", "Lover", "The Man" oder (ganz neu) "Clara Bow" sind dabei. Aber es sind oft nur zwei Zeilen oder eine Strophe, die auch als Übertitel eingeblendet werden. Zu Taylor gehört eine Band: Schlagzeug, E-Bass, Keybord. Alle Musiker tragen einen Glitzeranzug, den sich Taylor inzwischen auch angezogen hat.

Also Konzertoptik. Dazu ein Bühnenbild (von Julia Nussbaumer), das raumfüllend Shakespeares Globe Theatre nachempfunden ist: ein kreisrunder Theaterraum mit drei Galerien. In Leipzig sieht man diesen Raum quasi als weißes Fachwerkskelett aus Stahl. Wenn die Schauspielerinnen und Schauspieler auf den Galerien herumlaufen, hat es auch etwas von einem Hamsterrad. Das wäre aber fast schon eine Botschaft – mit Shakespeare gesprochen: Die ganze Welt ist ein Hamsterrad.

Shakespeare stellt wichtige Fragen der Gegenwart

Regisseurin Pia Richter konnte gerade noch so vor diesem tieferen Sinn in die Spaßwelt abbiegen und das Skelett als Klettergerüst etablieren, auf dem ihre Protagonisten viel zu turnen und wenig zu spielen hatten. Die Kostüme (von Lise Kruse) orientieren sich an originalen Shakespeare-Kostümen aus der Renaissancezeit, gekreuzt mit Pop-Art. Malvolio, der Diener von Olivia, hatte zum Beispiel keine gelben Strümpfe an, sondern eine quietschgelbe Fellhose aus Kunstfasern.

Im Stück geht es um das Zwillingspaar Viola und Sebastian. Beide geraten auf einer Schiffsreise in einen Sturm. Das Schiff strandet. Viola kann sich an die Küste einen Landes retten, das Illyrien heißt. Illyrien wird dann auch gleich mit Elysium verwechselt – also mit der Insel der Seligen.

Apropos verwechseln – das ist in der Stückvorlage das übergeordnete Motto: Viola verkleidet sich als Mann, nennt sich Cesario und tritt in die Dienste des Herzogs von Illyrien. Das ist Orsino, der unsterblich in die Gräfin Olivia verliebt ist. Cesario überbringt Olivia einen Liebesbrief und prompt verliebt sich Olivia in Cesario. Irgendwann taucht der Zwillingsbruder Sebastian wieder auf, der genau so aussieht wie Cesario. Thema sind bei Shakespeare ganz klar die Fragen: Wer bin ich? Und wer passt zu mir? Mann oder Frau?

Insofern passt "Was ihr wollt" wirklich gut auf den Spielplan heutzutage. Wir leben in stürmischen, krisengeschüttelten Zeiten. Rettung verspricht eine Insel, auf der alles ganz anders ist. Es ist eine Welt, in der Identität und Geschlecht keine Rolle spielen. Aber: Gibt es diese Insel wirklich? Oder ist es nur eine Insel der Seligen – also etwas Jenseitiges? Wie wollen und können wir heute leben? Wie lange können wir die vielzitierten "europäischen Werte" in diesem Sturm auf unserer Insel noch verteidigen? Das sind die zentralen Fragen.

Mangelndes Vertrauen in die Kraft des Theaters

Die Aufführung ist nur knapp eineinhalb Stunden lang. Es gibt auch keine Pause. Der Text ist also extrem verknappt und das hat leider Auswirkungen auf die Figuren. Die haben kaum Zeit sich selbst, geschweige denn ihre Konflikte vorzustellen. Alles wird nur angerissen. Und wenig ausgespielt.

Ausnahme: Vanessa Czapla, die Viola spielt, also die zentrale Figur, und auch Olivia, verkörpert von Teresa Schergaut, haben am Anfang noch Zeit um ihre Beziehung zu erspielen. Da knistert es dann auch richtig. Ein schöner Moment! Auch Malvolio von Denis Petrović hat Zeit für sein schönes Kabinettstückchen mit den berühmten Strümpfen. Aber alle anderen Figuren – Orsino, Sebastian, Antonio (hier Antonia) – waren nur noch Stichwortgeber, um das Grundgerüst der Handlung zu erhalten.

Warum hat die Regisseurin ihren Schauspielerinnen und Schauspielern so wenig Futter zum Spielen gegeben? Das blieb völlig offen. Vielleicht war es ihr Ziel, ein junges Publikum mit Taylor Swift anzusprechen – ein Publikum, dass längere Szenen gar nicht mehr aushalten kann, weil es auf dem Smartphone TikTok-und-Co-Inhalte nur kurz antippt und dann wegwischt. Fehlt also Vertrauen in die analoge Kraft des Theaters, die zuletzt als Überlebensstrategie so viel beschworen wird?

Taylor Swift überzeugt kaum am Schauspiel Leipzig

Auch die Idee mit Taylor Swift geht am Ende nicht auf. Taylor, die hier die Rolle eines shakespeare'schen Narren übernimmt, ist am Schluss spießig und konservativ – und will die heterosexuellen Paare verheiraten. Ein Narr würde so etwas immer in der Schwebe halten. Wo der Taylor-Narr ein Totalausfall ist, muss Viola einspringen und für die Liebe, die auch gleichgeschlechtlich sein kann, die Fahne hochhalten. Taylor macht auch zu wenig mit der Musik. Warum setzt sie sich nicht mit der Gitarre neben einen Protagonisten und spielt mal einen kompletten Song?

Unterm Strich ist das ein halbgewalkter und deswegen misslungener Abend. Das Potenzial, das die Taylor-Swift-Texte gehabt hätten, wurde nicht genutzt. Es hätte eine moderne Oper sein können. Shakespeares Handlung als Rezitative. Und die Gefühlsmomente als Arien mit Texten von Taylor Swift. Stattdessen wurde oberflächlich über das Stück gehuscht, viel behauptet und wenig erspielt. Für ein Shakespeare-Stück auf der großen Bühne ist das zu wenig.

Mehr Informationen zum Stück:

"Was ihr wollt  (A Tortured Lover’s Version)"
nach William Shakespeare

Adresse:
Schauspiel Leipzig
Bosestraße 1
04109 Leipzig

Team und Besetzung:
Regie: Pia Richter
Bühne: Julia Nussbaumer
Kostüme: Lise Kruse
Musikalische Leitung: Maria Moling
Choreografie: Vasiliki Bara
Dramaturgie: Julia Buchberger
Licht: Veit-Rüdiger Griess
Video: Philip Schroeder
Mit: Vanessa Czapla, Teresa Schergaut, Nicolas Streit, Denis Petković, Samuel Sandriesser, Emmeline Puntsch, Juli Niemann

Termine:
14. Februar 2026, 19:30 Uhr
15. März 2026, 18 Uhr
26. März 2026, 19:30 Uhr
4. April 2026, 19:30 Uhr
30. April 2026, 19:30 Uhr
16. Mai 2026, 19:30 Uhr
30. Mai 2026, 19:30 Uhr

Sachsen-Anhalt: Polizei kontrolliert verstärkt Lkw und Busse

Ein Polizeibeamter beobachtet den Verkehr an einer Kontrollstelle.
Ein Polizeibeamter beobachtet den Verkehr an einer Kontrollstelle. (© IMAGO / EHL Media)

Lkw und Busse stehen seit Montag eine Woche lang verstärkt im Fokus der Polizei in Sachsen-Anhalt. Das Land beteiligt sich an der europaweiten Roadpol-Aktion. Es ist die erste dieser Art in diesem Jahr.

Seit Montag kontrolliert die Polizei in Sachsen-Anhalt wieder verstärkt Lkw und Busse. Wie das Innenministerium mitteilte, sollen so mögliche Verstöße gezielt aufgedeckt werden. Vor allem geht es um den technischen Zustand der Fahrzeuge, die Ladungssicherung und die Einhaltung der Lenk- und Ruhezeiten.

Weitere Aktionen bis Jahresende

Die Kontrollen finden im Rahmen einer europäischen Polizeiaktion statt und dauern bis Sonntag (15. Februar). Bis Ende des Jahres sind sieben weitere Großkontrollen geplant, auch mit den Schwerpunkten Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen. Ziel der europaweiten Aktionen ist, die Zahl der Unfallopfer zu senken. Sachsen-Anhalts Innenministerin Tamara Zieschang (CDU) erklärte, die Aktionswochen hätten eine zentrale Bedeutung für die Verkehrssicherheit im Land.

Thüringen: Kita-Schließung in Gera: Sechs Erzieherinnen werden entlassen

Ein Kind steht in einer Kindertagesstätte an einer Glasscheibe
Ein Kind steht in einer Kindertagesstätte an einer Glasscheibe (© picture alliance/dpa-Zentralbild/dpa/Arno Burgi)

In Gera wurden in den vergangenen Jahren deutlich weniger Kinder in Bezug zur Einwohnerzahl geboren als früher. Bald wird ein Kindergarten geschlossen - auch mit Folgen für junge Erzieherinnen.

In Gera werden sechs Kindergärtnerinnen aufgrund der Schließungspläne für einen Kindergarten entlassen. Das bestätigte Geras DRK-Vorstand Michael Scholz MDR THÜRINGEN.

Hintergrund der Schließung der "Kinderwelt" Ende August ist neben der sinkenden Kinderzahl auch der Sanierungsstau. Der Kindergarten ist aktuell nur zur Hälfte ausgelastet. Weil damit die Kosten von etwa 60.000 Euro brutto je Erzieherstelle nicht gedeckt werden könnten, müssten andernfalls die Elternbeiträge um rund 50 Euro pro Monat steigen.

Scholz sagte, man habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber keine andere Einsatzmöglichkeit für die betreffenden Kolleginnen gefunden. Die Kündigung sei mit Blick auf die Schließung im Sommer langfristig ausgesprochen worden, damit sich die Erzieherinnen nach Alternativen umsehen könnten. Betroffen seien wegen der Sozialauswahl vor allem junge Mitarbeiterinnen.

Deutlicher Geburtenrückgang in Gera

Die "Kinderwelt" ist der erste Kindergarten in Gera, der aufgrund des demografischen Wandels geschlossen wird. Die Pläne waren im November bekannt geworden. In den vergangenen Jahren wurden in Gera deutlich weniger Kinder in Bezug zur Einwohnerzahl geboren als früher.

Nachdem man vor drei Jahren noch Erzieher gesucht habe, schlage dieser Geburtenrückgang nun voll durch. Das DRK plant, die Kinder der betroffenen Einrichtung mit ihren Bezugserzieherinnen in einem gut einen Kilometer entfernten DRK-Kindergarten unterzubringen.

Hamburg: Hamburger Senat gab 2025 Millionensumme für Reisen und Empfänge aus

Peter Tschentscher (M, SPD) trinkt neben Teresa Ribera (2.v.l) sowie Monika Schnitzer (2.v.r) und Carola Veit (r, SPD) beim Matthiae-Mahl 2025 des Hamburger Senats im Großen Festsaal im Rathaus ein Glas Wein
Peter Tschentscher (M, SPD) trinkt neben Teresa Ribera (2.v.l) sowie Monika Schnitzer (2.v.r) und Carola Veit (r, SPD) beim Matthiae-Mahl 2025 des Hamburger Senats im Großen Festsaal im Rathaus ein Glas Wein (© picture alliance/dpa | Marcus Brandt)

Ob Feierstunde im Hamburger Rathaus oder Auslandsbesuch des Ersten Bürgermeisters: Der Hamburger Senat hat im vergangenen Jahr nach vorläufigen Zahlen mehr als 1,6 Millionen Euro für Reisen und Empfänge ausgegeben. Das geht aus der Antwort auf eine Kleine Anfrage der CDU-Fraktion hervor.

Mehr als 205.000 Euro hat allein das traditionelle Matthiae-Mahl im Hamburger Rathaus Anfang März 2025 gekostet - die teuerste Einzelveranstaltung, die der Senat ausrichtet. Die teuerste Reise geht auf das Konto der Senatskanzlei. Für die Delegationsreise des Ersten Bürgermeisters nach Kanada und in Hamburgs Partnerstadt Chicago betrug die Rechnung mehr als 170.000 Euro. Darin enthalten sind auch die Kosten für Sicherheitsbeamte des LKA, also für Personenschützerinnen und -schützer.

Vergleichsweise günstig war dagegen der Antrittsbesuch der Zweiten Bürgermeisterin Katharina Fegebank (Grüne) als neue Umweltsenatorin bei der EU-Kommission in Brüssel. Er kostete weniger als 1.000 Euro. Insgesamt sind die Reisekosten verglichen mit dem Jahr 2024 etwas gestiegen. Die Kosten für Feste und Empfänge liegen leicht unter dem Niveau des Vorjahres.

CDU fordert konkrete Ergebnisse von Auslandsreisen

Insgesamt 24 Mal reisten Peter Tschentscher (SPD) oder seine Senatsmitglieder ins Ausland. Spitzenreiter war der Erste Bürgermeister mit acht Auslandsreisen, unter anderem nach Genf, Wien und Paris. Fünf Senatorinnen und Senatoren sind dienstlich gar nicht ins Ausland gereist - etwa Kultursenator Carsten Brosda (SPD). Angesichts der aktuellen geopolitischen Entwicklungen sei es geboten, die politischen und wirtschaftlichen Beziehungen Hamburgs zu stärken und vielfältiger zu gestalten, so der Senat.

Auslandsreisen seien wichtig und richtig, sagt der CDU-Abgeordnete Richard Seelmaecker, der die Anfrage an den Senat gestellt hatte. In Zeiten von lahmender Konjunktur und knapper Kassen müsse aber verstärkt auf die Kosten geschaut werden. Außerdem müssten die Reisen auch konkrete Ergebnisse bringen. Seelmaecker kritisiert, dass es dem Bürgermeister etwa nicht gelungen sei, wieder eine direkte Flugverbindung zwischen Hamburg und den USA zustande zu bringen.

Mecklenburg-Vorpommern: Blitzer bringen dem Kreis Seenplatte 76.000 Euro ein

In Hannover steht neben einer Straße ein Blitzer als Geschwindigkeitskontrolle.
In Hannover steht neben einer Straße ein Blitzer als Geschwindigkeitskontrolle. (© NDR, Julius Matuschik)

Wegen Streit um Strafzettel musste der Kreis 429 Mal vor Gericht ziehen. 16 feste Blitzer gibt es derzeit.

Der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte musste im vergangenen Jahr insgesamt 429 Mal im Zusammenhang mit Geschwindigkeitsüberschreitungen vor Gericht ziehen. Davon wurden 101 Verfahren eingestellt, bei 87 wurde die Geldbuße reduziert. Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 121.145 Verkehrsordnungswidrigkeiten geahndet, etwa 1.200 Verfahren wurden eingestellt. Insgesamt kam eine Summe von 76.180 Euro zusammen. Der Kreis unterhält derzeit auf den Straßen 16 feste Blitzer.

Niedersachsen: Brand in Delmenhorst: Stromkasten in Barbershop fängt Feuer

Feuerwehr im Einsatz. In Delmenhorst hat ein Barber-Shop gebrannt.
Feuerwehr im Einsatz. In Delmenhorst hat ein Barber-Shop gebrannt. (© NDR, Julius Matuschik)

Das Feuer hat auf eine Zwischenwand übergegriffen, konnte von der Feuerwehr aber gelöscht werden. Verletzt wurde niemand.

In Delmenhorst hat es in der Nacht zu Montag in einem Barbershop gebrannt. Wie die Polizei mitteilte, fing ein Stromverteilerkasten Feuer. Der Brand sei frühzeitig gemeldet worden. Die Feuerwehr konnte ihn laut Polizei zwar löschen. Die Flammen griffen den Angaben zufolge jedoch auf eine Zwischenwand und somit auf das Gebäude über. Warum der Stromverteilerkasten brannte, sei noch unklar. Zu dem Zeitpunkt seien keine Personen im Gebäude gewesen. Die Polizei schätzt den Schaden auf rund 20.000 Euro. Das Gebäude sei weiter nutzbar.

Schleswig-Holstein: Stromausfall in Barmstedt legt Haushalte lahm

Hand hält den Stecker eines Elektrogerätes.
Hand hält den Stecker eines Elektrogerätes. (© fotolia.com, Eisenhans)

Mehrere Stunden waren die Haushalte am Sonntag ohne Strom. Das Schwimmbad Barmstedter Badewonne blieb geschlossen.

In Barmstedt im Kreis Pinneberg hat es am Sonntagnachmittag nach Angaben der Stadtwerke Barmstedt einen großflächigen Stromausfall gegeben. Grund war ein Kabelfehler. Rund fünf Stunden mussten Bewohner ohne Licht, Herd und Fernsehen auskommen. Erst gegen halb sechs am Abend konnte die Stromversorgung wieder stabil hergestellt werden. Die betroffene Kabelstrecke wurde außer Betrieb genommen. Vom Ausfall betroffen war auch das Schwimmbad Barmstedter Badewonne und musste für den restlichen Tag geschlossen bleiben.